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In 10 Tagen - von K nach K mit "rut sin de Ruse"

Autorin: Christel Hardenbicker

Herzliche Begrüßung auf dem Parkplatz, teils Jahre nicht gesehen, teils noch nie gesehen, so starteten gut gelaunt 12 Ruderer aus 4 Vereinen, mit 2 Vierern + 1 Zweier, die Rudertour von Kehl nach Köln.
Unser erstes Ziel war der Mainzer Ruderclub, wo der Zweier abgeladen werden mußte, da er erst in der nächsten Woche zum Einsatz kommen sollte. Schwierig war die Fahrt durch die Mainzer Innenstadt. Kurzfristig legten wir eine Einfahrt zu einem vielbefahrenen Parkhaus lahm. Rückwärts per Muskelkraft unser Gespann gedreht ... und die Irrfahrt endete doch noch am  Mainzer-RV.
Erleichert fuhren wir weiter. Mit dem letzten Benzin ging es über die Grenze, denn in France ist Benzin preiswerter! Wo war eine Tankstelle? Auf der AB jedenfalls keine. Runter von der AB, Tankstelle gefunden, überlange Warteschlange, überfüllter Supermarktparkplatz. Aber wir hatten ja schon Übung Chaos zu verursachen und unseren ca. 14 Meter Bootsanhänger ca. alle 2 Stunden mit Muskelkraft zu drehen!
Nach dieser letzten Hürde ging es zügig weiter. Mitten in der Landesgartenschau von Baden-Württemberg war die Jugendherberge (JHB) von Kehl, unser Quartier für 2 Tage. Ein Rausch von duftenden Blumen und kleinen Seen erwartete uns. Wir erlebten inmitten dieser schönen Gartenschau in Kehl unseren ersten noch etwas kühlen und sonnigen Abend, aber auch, dass wir super zueinander passten.

400 Kilometer rheinabwärts lagen vor uns, als wir die Boote im Sportboothafen Kehl ins Wasser setzten. Bald erreichten wir die erste Rheinschleuse. Um diese zu benutzen, hat Bernd einen erheblichen Schriftverkehr in französisch und deutsch führen müssen. Danke! Mit der Großschifffahrtsschleuse ging es bergab und wir erreichten Strassburg. Da keine Ruderboote durch Strassburg fahren dürfen, haben wir eine herrliche Touristen-Bootsrundfahrt unternommen. Mit Sonnenuntergang ging's an Land, wir bummelten durch Altstadt, besichtigten das Münster und zum Abendessen in ein typisches Elsässer Brauhaus.
Am nächsten Tag ruderten wir ab MS-Hafen Greffern mit kaltem Gegenwind bis zur Schleuse Ifferzheim. Bernd's Boot machte vorher noch einen kurzen Tripp auf die ILL. Nach der Schleuse änderte der Rhein seinen Charakter völlig. Bisher hatten wir es mit weiten offenen Wasserflächen vor Stauschleusen zu tun und nun mit einem stark strömenden Gewässer!! Schnell fahrenden Bojen!!! Enge Durchfahrten, die durch mit voller Kraft bergfahrende Schiffe zusätzlich eingeengt wurden. Ab hier mussten die Rheinruderer ihre Steuererfahrung voll zur Geltung bringen und so lernten die Nichtrheinruderer, die Boote immer in Fahrtrichtung zu halten, damit "Wenden" oder sogar "Karussellfahrten" vermieden wurden.
 

Die Sonne wurde unser Begleiter und so ruderten wir Richtung Raststatt. Auf der herrlichen sonnigen Terrasse des Ruderclubs genossen wir Kuchen, Kaffee und kühle Getränke. Von dort brachte uns der Landdienst zur JHB in Karlsruhe. Bei südlichen Temperaturen verbrachten wir den Abend im Vogelbräu Biergarten.
Im Sonnenschein kämpften wir am nächsten Tag wieder mit Wind, Strömung, enger Fahrrinne und grossem Schiffsverkehr. Mittagspause in Germersheim. Anfahrt auf Speyer zu der direkt am Rhein gelegenen eleganten JHB. Unsere Gruppe teilte sich am späten Nachmittag. Einige besichtigten Speyer, die anderen fuhren zur Weinprobe. Am Abend trafen wir uns zum gemeinsamen Abendessen im Gartenlokal in Speyer wieder.
In der JHB schliefen die kleinen Kinder seelig, kein Lärm war zu hören. Die großen Ruderkinder nahmen noch einen Absacker. Beim Tischabräumen geschah es: Gläser fielen auf den Boden und verteilten sich im großen Speiseraum. Kein Besen war zu finden! Heinrich fand einen "großen Legostein" in der Spielzeugecke, Bernd nahm die Speisekarte und bald war der Raum scherbenfrei und wir bettreif.
Ein phantastischer Rudertag führte mit Abzweigungen in den Ketscher Altrhein, durch urwüchsige Auenwälder und an flachen Weinbergen vorbei in die Heimatstadt von Hermann. Da des öfteren darüber geredet wurde, dass Worms keine schöne Stadt sei, hatte Hermann den Ehrgeiz, uns diese "seine Heimatstadt" aus seiner Sicht zu zeigen. Zuerst besichtigen wir die Liebfrauenkirche mit dem Liebfrauenmilch Kirchstück. Hier wächst einer der besten Weine. Anschließend einen Rundgang um den Dom und seine schönen Parkanlagen. Besonders reizvoll war das alte Judenviertel.
Hermann hat uns überzeugt, seine Heimatstadt Worms ist wirklich sehenswert.
Mit Gegenwind und südländischer Sonne ruderten wir abwärts und der Rhein änderte wieder sein Bild. Vorbei an Mannheim und Ludwigshafen durch eine düstere Kulisse, Industrie und Kraftwerke bestimmten die Landschaft. Mittagspause im Oppenheimer Hafen und abends JHB in Mainz. Kultur wie jeden Abend: Altstadt, lecker Essen, Absacker in JHB und Karl's übliche Duschstunde.

In Mainz sollte sich die Gruppe ändern. Christel wollte abreisen, dafür kam Nicola als Geburtstagskind. Herzlich gratulierten wir mit Blumen und Skull-Spalier. Außerdem kamen Rolf und Fred, die im Zweier von Mainz nach Köln rudern wollten.
So war es geplant. Aber es kam anders. Die letzten zwei Tage waren für Gisela zu sonnig, ihr ging es so schlecht, dass sie aufgab. Christel fuhr also nicht nach Hause, sondern spontan weiter bis Köln. Wie die Geschichte mit dem Zweier ausgeht, berichte ich später.
Die Strecke, die wir heute bewältigen mußten, ist wohl eine der schwierigsten, aber auch der schönsten Strecken des Rheins: die sogenannte Gebirgsstrecke mit der Auszeichnung "Weltkulturerbe". Immer noch Nordwind, aber das Binger Loch zeigte sich von seiner guten Seite. Wir kamen alle sehr gut mit Strömung und Schiffsverkehr zurecht und genossen die schnelle Fahrt bergab. Mittagspause in Geisenheim und mit frischer Kraft ruderten wir alle wohlbehalten um die Felsen der Loreley.

Diese Bergstrecke ist eine Herausforderung für jeden Steuermann und wer sie bewältigt hat, darf danach nicht aufhören jede Welle, jede Boje und jedes Schiff unaufhörlich zu beobachten.
Kurz vorm Ziel in Bacharach wurde eine Boje unserem Zweier zum Verhängnis und sie kenterten. Zeitweise war die Rettungsaktion dramatisch wegen eines anlegenden KD-Schiffes. Danke an den Vierer, der es geschafft hatte, Mannschaft und Boot zu retten. Erst spät am Abend in der JHB St. Goar ließ der Schock langsam nach. Auch ein physiologisches Weinseminar im Duschvorraum half einigen das Trauma zu überwinden.
Neuer Tag, neues Glück. Die malerische Rheinstrecke begrüßte uns am nächsten Morgen mit Sandbänken und Klippen. Die wohl gefährlichsten, "die sieben Jungfrauen" bei Oberwesel, haben schon so manchen Schiffsboden zerschmettert. Tin schaffte es, über zwei zu rutschen, ohne dass es dem Boot und der Mannschaft geschadet hat. Mit dieser "Superleistung" erreichten wir unsere Pause in Bacharach. Annelies und Bernd überraschten uns auf der Terrasse des Ruderclubs mit einem Picknick.
Nachmittags gings weiter bis zum Deutschen Eck und dann die Mosel bergauf zur Schleuse. Bernd, Mosel - aufwärts erfahren -, verpasste die Sportschleuse. Dadurch hatte er jedoch den Vorteil, dass er nicht selbst schleusen musste, sondern die Großschifffahrt nahm ihn kurzentschlossen mit.
Dieser Abend im Ruderclub Koblenz war unser letzter gemeinsamer Abend. Er klang mit einem guten Abendessen und wunderschönem Sonneruntergang an der Mosel aus.
Bis hierhin hatten wir außergewöhnliche Erlebnisse und es wunderte uns nicht, dass selbst die Erde am Morgen in Koblenz bebte.
Jetzt lagen nur noch zwei Tage vor uns, die Strecke von Koblenz nach Bad Honnef, mit sonniger Pause in Brohl. Von dort per Bus zum Clubhaus. Hier wurde Bernd von den Weser-Ruderern die Flagge des RV Weser als "Dankeschön" überreicht. Übernachtung zu Hause und morgens per DB nach Bad Honnef.
Am letzten Tag auf unserer Hausstrecke von Bad Honnef nach Porz mit dem üblichen Stopp bei Emmi auf dem Bootshaus in Hersel, sangen wir zum letzten Mal auf dieser Reise "rut sin de Ruse".
Dieser kölsche Hit brachte morgens und abends gewaltige Stimmung in den Landdienstbus. Aber auch interessante Gespräche über Atomkraftwerke, Industrie und Natur oder über das Leben "heute und jetzt" begleiteten uns, auf dieser überragenden, erlebnisreichen und sonnigen Rudertour von K nach K.

Für die Super-Tour und Super-Organisation im Mai 2004 danken wir:

Heinrich und Karl / RV Weser
Mali und Hermann / MüWa Köln
Gisela, Herbert und Dietrich / CfWP, Köln
Nicola, Norbert, Tin und Christel / TPSK

unserem Fahrtenleiter Bernd und seiner Annelies vom TPSK

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Letzte Änderung: 06.04.2009