Sie haben kein 'javascript' in Ihrem Browser aktiviert! Unsere Seite kann Ihnen deswegen nicht korrekt angezeigt werden!

; Google+

Pfingsten 2007 – Rudern in Venedig

Autor: Julius Werber

Dieses Jahr stand zu Pfingsten für 15 Mitglieder der Ruderabteilung des TPSK - 9 Damen und 6 Herren - eines der aufregendsten Ruderhighlights überhaupt auf dem Programm: Die Teilnahme an der 33. internationalen Vogalonga in Venedig. Da an diesem Event insgesamt in etwa 1500 Boote aller Klassen mit Muskelkraftbetrieb teilnehmen, herrschte sowohl auf dem Wasser als auch an den Einsetzplätzen und in Bezug auf die Übernachtungsmöglichkeiten großer Andrang, was einerseits natürlich das Spektakel perfekt macht, andererseits aber auch eine äußerst frühzeitige Planung und Organisation erfordert. Daher war bereits im Oktober letzten Jahres der Campingplatz Alba D´Oro im Venediger Stadtteil Ca´ Noghera gebucht worden, der besonders verkehrsgünstig in Flughafennähe gelegen ist und gleichzeitig den Umständen entsprechend ein Höchstmaß an Komfort und ein attraktives Preisleistungsverhältnis bietet.

Um die vereinseigenen Boote die ca. 1150 km nach Venedig zu transportieren - Leihmöglichkeiten sind bei der Vielzahl an teilnehmenden Booten natürlich ausgeschlossen - ist es gleichwohl erforderlich, dass sich auch Fahrer für Transportfahrzeug und Hänger zur Verfügung stellen. Dankenswerterweise hat sich Franz für diese Strapaze bereit erklärt und weiterhin die Organisation eines geeigneten zugkräftigen Mietwagens übernommen.

So ging die erste Etappe am Donnerstag, den 24.05.2007 von unserem Bootshaus in Köln Zündorf mit 2 Fahrern und 2 Passagieren über 750 km nach Bellinzona in der Schweiz, kurz hinter dem St. Gotthard Tunnel gelegen. In diesem bereits italienischsprachigen Teil der Schweiz hatten wir ein Autobahnhotel reserviert, das uns allen die redlich verdiente Verschnaufpause über Nacht bescherte. Nichtsdestotrotz lockte es uns in die Stadt, die durch mehrere, nachts beleuchtete Palastmauern, an und auf den umliegenden Felsmassiven gelegen, geprägt ist und wo wir uns in der örtlichen Trattoria die obligatorische Pizza und den Rotwein schmecken ließen.

Freitag, den 25.05.2007 war nach frühzeitiger Abfahrt in Bellinzona, bewältigtem Verkehrschaos in Mailand und einigen erbitterten Kämpfen mit den Mautautomaten der italienischen Staatsautobahn endlich das Ziel in greifbare Nähe gerückt. Doch auch die Anfahrt auf den Einsetzplatz am Fuße der Ponte della Libertà, dem Zubringerdamm nach Venedig, war aufgrund eigenartiger LKW - Verkehrssituation und dubioser Beschilderung nervenaufreibend. Dafür wurden wir schließlich am Ruderclub in Mestre durch den vordersten Hängerstellplatz, einen bilderbuchmäßigen Blick über das Meer nach Venedig und spritzige Erfrischungsgetränke entschädigt.

Um unseren Tagesauftrag zu vervollständigen, ging es nun ohne Hänger weiter über den Damm nach Venedig, wo wir noch am Meldebüro vorstellig werden mussten, um die Startnummern und Trikots für die bereits gemeldeten Teilnehmer und Boote abzuholen. Glücklicherweise waren die Organisatoren so kulant, dass sie uns trotz unseres Erscheinens außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten alle erforderlichen Utensilien übergaben. Bei unserem Spaziergang durch die Stadt hatten wir die einmalige Gelegenheit, alle touristischen Attraktionen abzulaufen. So ging es zunächst durch verwinkelte Gassen und über hunderte von Brücken, die über kleinere Kanäle führten, vom Piazzale Roma bis zur Ponte dell´ Accademia über den Canale Grande, wo wir bereits jetzt einen Blick auf den auf dieser Hauptader herrschenden Umtrieb mit ihren gewaltig schaukelnden, romanisch anmutenden Gondeln mit singenden oder SMS - schreibenden Gondolieri erhaschen konnten, die sich durch das aufdringliche Manövrieren der mächtigen Vaporettos und der flinken Taxiboote offensichtlich nicht beeindrucken ließen. Wir aber betrachteten dies trotz aller Schönheit zweifelnden Mutes in der Gewissheit, sich in den folgenden zwei Tagen in diesem Getümmel zurechtfinden zu dürfen.

Die Nähe zu San Marco wurde uns durch immer exquisitere Geschäfte und den exponentiellen Anstieg der Bier- und Kaffeepreise angekündigt. Dort angekommen konnten wir die prächtig dekorierte Basilica der Stadt und den imposant emporragenden Glockenturm von Venedig bestaunen. Zusammen mit Tausenden anderer Touristen passierten wir die Seufzerbrücke und traten schließlich über die Rialtobrücke den Rückweg zum Piazzale Roma an.

Am Campingplatz wurden sofort alle Mobilehomes der Gruppe in Empfang genommen. Wir trafen mit den bereits individuell angereisten Peter B, Inge, Fred und Claudia zusammen, konnten am Swimmingpool relaxen und einige leckere Biere genießen. Abends in der Gastronomie empfahl es sich auf das reichhaltige Angebot an Pizzen zurückzugreifen, da diese quasi postwendend, Salate und andere Gerichte hingegen aber nur recht zeitverzögert ausgeliefert wurden. Nach der nächtlichen, etwas verspäteten Ankunft unserer fliegenden Fraktion wurden noch etliche Flaschen Melot geleert, um schließlich die notwendige Bettschwere zu erlangen.

Der Morgen des 26.05.2007 begann mit einem ausgiebigen Frühstück, dessen Einkauf und Organisation Erika dankenswerterweise übernommen hatte. Die leckeren Spezialitäten der deutschen und italienischen Edeldiscounter mundeten allen und legten den Grundstein für einen erlebnisreichen und wetterbegünstigten Tag. Nach Verlegung zum Ruderclub in Mestre, Abladen, Aufriggen und Einsetzen der Boote und einer langen Anfahrt entlang des Venedigdamms auf die Hauptinsel der Lagune fuhren wir über den nördlichen Zubringerkanal auf den Canale Grande.

Selbst für erfahrene Steuerleute ist dies eine riesige Herausforderung, weil es auf diesem Hauptkanal nur so von Booten wimmelt, da in Venedig zwangsläufig der gesamte Transportsektor (Post, Polizei, Ambulanz, Müllabfuhr, Gemüsehandel, Umzugsboote, Taxiboote) auf den Wasserstraßen abgewickelt wird und sich zusätzlich die internationale Ausflugstouristik schaulustig diesem Spektakel hingibt. Zu allem Überfluss ist der Verkehr der planmäßigen Vaporetto - Boote nur schwer vorhersehbar, da diese ständig den Kanal kreuzen und auch noch gewaltige Wellen nach sich ziehen. So fuhren wir unter der Rialtobrücke hindurch, zunächst bis San Marco, wo dann auch unsererseits die Fotoapparate die imposante Kulisse festzuhalten versuchten. Leider ist gerade an dieser Stelle der Wellengang wiederum so hoch, dass einem durchaus angst und bange werden kann. Und da die Wellen eigentlich von allen Seiten gleichzeitig zu kommen scheinen, ist selbst die sonst praktikable Technik des sich Parallel - Legens ungeeignet.

So ging es zunächst mit halber Kraft und permanentem Hochabscheren weiter entlang der Küstenlinie und schließlich quer über die Lagune zum Lido. Dort waren wir quasi dem gegenteiligen Phänomen ausgesetzt, indem es in den zumeist äußerst schmalen Kanälen aus Platzgründen meistens nur möglich war, mit einem einzigen Skull für den notwendigen Vortrieb zu sorgen und Kurven nur durch Wenden gemeistert werden konnten. Daher waren wir dann auch heilfroh, als wir bei strahlendem Sonnenschein einen geeigneten Anlegeplatz für die Mittagspause gefunden hatten. Auf der Suche nach einem Restaurant überquerten wir zu Fuß den Lido und landeten schließlich an einem erstaunlicherweise recht wenig frequentierten Sandstrand, wo wir dann auch in einer Strandbar einkehrten.

Frisch gestärkt wurde die Rückfahrt über die Lagune nach Venedig angetreten als gerade eines der wahrhaft riesig anmutenden Kreuzfahrtschiffe auf das offene Meer hinaus geschleppt wurde. Der Unterschied der Dimensionen unserer Nussschale im Vergleich zu diesem Wunderwerk der Technik war für alle beeindruckend.

Der eigentlich vorgesehene Rückweg durch das Arsenal, einer ehemaligen Schiffswerft, deren Ursprünge bis ins frühe Mittelalter zurückreichen, war leider aus Gründen der militärischen Sicherheit versperrt. Daher wählten wir einen Parallelkanal in den Norden der Insel, um von dort aus nach Mestre zurückzurudern, wo die Boote für den nächsten Tag strategisch günstig positioniert wurden. Der Abend klang mit italienischen Speisen und italienischem Rotwein aus.

Am 27.05.2007, dem Tag der Vogalonga selbst, galt es früh aufzustehen. Bereits für 06.15 Uhr war die Abfahrt zum Einsetzplatz in Mestre angesagt. Da blieb natürlich für ein Frühstück wenig Zeit, so dass dieses kurzerhand auf später im Boot vor San Marco vertagt wurde. Am Ruderclub in Mestre fanden wir uns dann allerdings mit zu dieser Zeit noch verschlossenen Toren konfrontiert. Doch ein richtiger Ruderer lässt sich davon auch nicht beeindrucken. Und so waren kurzerhand einigt Holzböcke organisiert, die ein Überwinden dieses Hindernisses zumindest erleichterten.

Mit dem Eintreffen hunderter von Booten der verschiedensten Typen vor San Marco, einige davon äußerst kreativ dekoriert, wurden allen von uns die Dimensionen dieser Veranstaltung bewusst und wir waren glücklich, an diesem Spektakel teilnehmen zu können. Ein Feuerwehrschiff versuchte, durch präzise gerichtete Wasserstrahle ein Überqueren der virtuellen Startlinie zumindest zu erschweren. Einige übereifrige Boote haben aber bestimmt einige Liter zusätzlichen Ballasts mit auf den Weg bekommen.

Punkt 09.00 Uhr donnerte die erwartete Kanone zum Start. Und während die Glocken über Venedig zu läuten begannen, setzte sich der Tross entland der Küstenlinie in Bewegung. Aufgrund der immens großen Anzahl an Booten wurde es insbesondere an der ersten Ecke und später nochmals öfters in der Zufahrt auf die Kanäle äußerst eng. Der Steuermann musste daher die Augen eigentlich permanent gleichzeitig vorne und hintern, sowie back- und steuerbord haben.

Auf die Dauer zog sich das Feld natürlich auseinander, aber viele verschiedene Boote hatte man durchweg um sich. Beeindruckend war vor allem, von woher die Boote alle stammten. Frankreich, Deutschland, Schweiz, Österreich, Ungarn, Tschechien, Polen, Italien, ... und wie kunstvoll einige von ihnen dekoriert waren.

Die Rennstrecke lief vorbei an San Erasmo nach Burano, welches den entferntesten Punkt darstellte, und zurück über Murano durch den Canale Grande nach San Marco, insgesamt 30 km. Dadurch dass ein gehobenes Tempo gerudert wurde, war es für die meisten von uns eine recht anstrengende Fahrt. Daher waren wir für die Strapaze mehr als entschädigt, als wir auf der Zielgeraden entlang des Canale Grande von Tausenden von Touristen applaudierend begrüßt und angefeuert wurden. Am Ziel in San Marco bekam jeder eine Teilnahmeurkunde und eine Medaille ins Boot geworfen, womit wir jederzeit eine angenehme Erinnerung an dieses erlebnisreiche und sportlich fordernde Pfingstwochenende haben werden.

Zurück zur Auswahl

 
Sitemap  TPSK rudern auf Google+
Letzte Änderung: 11.05.2009