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Rheintour 2007

Autorin: Nicola Schmidt

Der Leichtmatrose von Laboe sendet ein fröhliches Ahoi und berichtet von Bernds berühmter Rheintour, die dieses Jahr unter dem Motto stand

"Fidelitas Senoritas"

mit den Teilnehmern:

"Ich-wunder-mich-nur" Bernd,
seine Gattin, das Murmeltier Annelies,
"Was-hast-du gesagt?" Karl aus Hameln,
Turnvater Heinrich aus Hameln,
die blauäugige Gelbbauch-Unke Tin
sowie genannte Leichtmatrosin Nicola.

01.06.2007
Nachdem wir am Vorabend mit unseren Gästen aus Hameln die Loreley verladen hatten, starteten wir um 8:30 Uhr bei bedecktem Himmel Richtung Grenzach.
Allgemeines Erstaunen und Gemurre kam auf, als wir in eine Regenfront kamen, die uns den weiteren Tag begleiten sollte. Sollte unser VL Bernd diesmal als Sonnenkönig versagen?
Auf der Autobahn in Höhe Bruchsaal erkannten wir, dass es im Leben wichtigeres gibt als Sonne, nämlich das Leben selbst, als wir auf der Gegenspur einen völlig zerfetzten BMW Z3 betrachten konnten.
Nach einer kurzen Pause am Walmart in Karlsruhe (ein bisschen Kultur muss eben sein), setzten wir unsere Reise auf der Landstraße fort und sahen viel Gegend.
In Friesenheim stärkten wir uns im Gasthaus "Zur Krone" mit einem preiswerten Mittagsmenü. Tin nahm die architektonischen Besonderheiten Friesenheims in Augenschein. Seine in Abwesenheit verkündete Ernennung zum Fahrdienstleiter wurde von den anderen mit lokalem Fasswein besiegelt.
Mit kölschen Tönen, zum Rhythmus der Scheibenwischer erreichten wir gegen 18 Uhr den Ruderverein Grenzach, wo der Hänger verblieb und wir bezogen unsere Unterkunft im Hotel "Rührberger Hof", wo wir uns gepflegt mit Fest- und Flüssignahrung zur Nacht stärkten.
Dank einiger Glaserl Kirschwasser hatten wir auch den nötigen Intellekt zur Erörterung und Lösung nationaler und internationaler Fragen auf den Gebieten Politik und Wirtschaft, fleißig unterstützt durch den Hotelier.

02.06.2007
Aufstehen um 6:15 Uhr brachte uns allen die Erkenntnis, dass es mit dem Lotterleben in den nächsten Tagen vorbei sein würde.
Vor uns lagen 9 entbehrungsreiche Tage, die geprägt sein sollten durch Hunger, Durst und Schmerzen. Dem Regen sollten wir im Boot allerdings nicht mehr begegnen.
Da wir um 9:10 Uhr eine Durchfahrt in der Schleuse Birsfelden (Schweiz) gebucht hatten (es war eine all-inclusive Tour), wollten wir um 7:30 Uhr im Bus und um 8:30 im Boot sitzen.
Karls Abwesenheit, er ging den Kaiserweg und hatte die Terminabsprache am Vorabend wohl überhört, brachte Tin´s Blut in Wallung und führte zu einer nicht behandlungsbedürftigen, aber grenzwertigen emotionalen Schieflage, die durch den Ausspruch "Ich werd verrückt" verbalisiert wurde. Erstaunt waren wir allerdings darüber, dass er diesen Zustand als noch in der Entwicklung befindlich bezeichnete, da er uns als bereits seit längerer Zeit abgeschlossen vorkam.
Trotz aller Widrigkeiten erreichten wir pünktlich die Schleuse und mussten eine halbe Stunde warten.


Es ging sodann auf dem Rheinkanal immer geradeaus, was außer unserem Steuermann Bernd keiner mitbekam, vorbei an Basel,

es folgten interessante Gewerbegebiete, Verladehäfen und sodann sehr viel Gegend.
Abwechslung boten fünf weitere Schleusen, die aufgrund ihrer Größe mit einem Hub von bis zu 15 Metern problemlos bewältigt wurden,

uns aber die Mickrigkeit unseres Daseins vor Augen führten.


Die Ödnis des Kanals mit einer recht angenehmen Strömung erhöhte die Konzentration auf das, was unsere Aufgabe war: kräftiges Rudern!
Die Bemerkung Tins, im gelben Hemd, dass bei einem Gewitter ein Verlassen des Kanals mit seinen abfallenden Betonwänden nicht möglich sei, wurde von uns gelassen aufgenommen.

Geringer Schiffsverkehr wurde als Erlebnis jeweils mit großem Hallodri begrüßt und eine einsame Joggerin mit unter anderem wippendem Pferdeschwanz brach Tins Sprachblockade (Anmerkung: ein angenehmer Zustand) und ein heiseres "Hallo" schallte durch die mittlerweile französische Landschaft.
Nach der 4. Schleuse Fessenheim erfolgte an der einzig geeigneten Stelle des gesamten Kanals ein Landdienstwechsel.

Bernd kontrollierte beim Verlassen des Bootes mit seinem rechten Arm die Wassertemperatur, Karl und Annelies ließen den Mond aufgehen und Tin verwechselte einen Marienkäfer mit einem Urinal. Über den Zustand des Opfers liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor.
Dieses Treiben wurde gespannt durch eine herannahende französische Patroullie beobachtet, die in uns aber entweder keine Gefahr für die nationale Sicherheit sah oder den Verlust ihrer optische Wahrnehmungsfähigkeit, ausgelöst durch mittlerweile starke Sonne, in Betracht zog.
Das Ziel Ruderverein Breisach, bei Kilometer 224,4 am Altrhein gelegen, wurde nach Durchfahrt der Schleusen Vogelgrün und Breisach

[starke Gegenströmung aufgrund des Wehrs] nach 70 Kilometern, die nur mit einer Pause zurückgelegt worden waren, erreicht.
Dort wurden die erschöpften und teils gesäßgeschädigten Kameraden mit einem Bier begrüßt und über die Möglichkeit der Befahrung des Altrheines ab Istein aufgeklärt, da der Wasserstand hoch genug sei.

Im "Gasthof Schlüssel", der für drei Nächte unsere Heimat sein sollte, wurde lecker gegessen.
Tin, der nur eine Kleinigkeit zu sich nehmen wollte, verputze immerhin die berüchtigte Vesperplatte des Hauses an Salat.

03.06.2007
Nach einem mehr als üppigen Frühstück (Anmerkung: Die Verpflegung in diesem Hause war sensationell: Masse und Klasse!) verbrachte ich meine Kameraden altrheinaufwärts nach Istein.

Der Regen der vergangenen Tage verhalf diesen zu einem Erlebnis der besonderen Art. Der Altrhein ist unter normalen Umständen ab Breisach nur 10 Kilometer aufwärts zu befahren, an diesem Tag hatten die Kameraden Wasser für 45 Kilometer.
Hierzu übergebe ich das Wort an unseren geschätzten Ruderfreund Gelbbauch-Unke:

Und nun mein kurzer Bericht über die Fahrt von Istein nach Breisach:

Dieser Tag sollte mehr ein Erlebnis für Kanuten denn für Ruderer werden. Am Vortag wurde mit den Ruderfreunden aus Breisach darüber beraten, ob ein Ruderboot auf dem Altrhein überhaupt gefahren werden kann. Der höhere Wasserstand an diesen Tagen konnte zu einem solchen Abenteuer verführen.
Tin hielt sich mit seinem Pessimismus zurück, denn er war von der 70-km-Tour noch so geschafft, dass er sich nur für Bier interessierte. Unser VL Bernd entschied: Wir machen das, vielleicht ist dann die Rudertour schon zu Ende.
Kurz und sehr gut: das Boot wurde am Morgen aufgeladen und 45 km oberhalb Breisach (in Istein) mit Viel Mühe und Geschick in den Altrhein gesetzt. Tin auf Platz 1 konnte nun voll die Unke spielen und alle Unglücke und Gefahren beschwören. Aber er sollte Unrecht behalten. Schon 300 m nach dem Start näherte sich mit Getöse die erste Stromschnelle. Mit großer Vorsicht, soweit das möglich war, wurde diese Hürde genommen. Jetzt wurden wir sicherer und glaubten an unser Glück. Aber die nächsten Seiten des Kapitels waren genau so prekär, doch unser Steuermann Heinrich mit seiner großen Erfahrung steuerte uns souverän durch alle Fährnisse. Ungefähr alle 3 km wurde unser Vertrauen in den Fluss und den Steuermann auf eine harte Probe gestellt. Einmal verschwand der Altrhein völlig vor unseren Augen, dann glaubten wir, dass ein Weiterfahren nicht möglich wäre. Das letzte Hindernis war dann das augenscheinlich gefährlichste. Doch auch hier half uns das Glück, Neptun und vor allem unser Steuermann, den man nicht genug loben kann.
Es muss angemerkt werden, dass wir nicht leichtfertig handelten, aber abenteuerlich war es und wunderschön.


Das Naturschutzgebiet am Altrhein vom Fluss aus erlebt zu haben ist schon etwas Besonderes, jedoch nur bei einer Handbreit Wasser unter dem Kiel.
Am Abend wurde unsere "Heldentat” mit einem guten Essen und den notwendigen Getränken gefeiert.

Tin die Unke

Nach einem kleinen Kulturtrip durch das malerische Breisach in der Abendsonne endete der Tag wie die vergangenen und die folgenden rein bauch-orientiert.

04.06.2007
Dieser Tag sollte uns bei schwülem Wetter auf den Colmar-Kanal führen.
Annelies machte in Kultur und überließ uns die Skulls.
Wir schleusten die Schleuse Breisach vom Altrhein abwärts in den Rhein.
Nach einer weiteren Schleusung zum Colmar-Canal (Bild Nr.: 041-1) [auf den französischen Kanälen ist eine Vignette vorzuzeigen, die auch an der Schleuse erworben werden kann] mit einem netten Schleusenwärter [Anmerkung: Das Schleusenpersonal auch in den Großschleusen spricht recht gut deutsch und ist sehr zuvorkommend], ruderten wir, ihr ahnt es nicht, immer geradeaus, Karl am Steuer.

Die Gegend war recht apart und bot Abwechslung durch Angler, die ebenfalls, von uns mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, sehr höflich und rücksichtvoll waren.
Massenhaft begleiteten uns verrückte, aber nicht aggressive Schwäne.
Einige Engstellen im Kanal durch Brücken und Schleusen durchsteuerte Karl auf eine Tin unbegreifliche Weise und führten bei diesem mehrfach zu dem bereits erwähnten emotionalen Ungleichgewicht (Ich werd hier noch verrückt).

Seine in diesem Zusammenhang geäußerten Bedenken dahingehend Warum, Was, Wo und Wie mit Welchen Folgen passieren könnte, führten zu einer recht passenden Namensgebung (blauäugige Gelbbauch-Unke) durch Turnvater Heinrich, der aufgrund seiner Neigung zur Sichtung der anspruchvollsten Ausstiegsstellen mit einem Beweglichkeitsfaktor 1 auf der nach unten offenen Skala, Tins letztes Haar zum Ergrauen brachte.
Nach ca. 20 Kilometern auf dem Kanal wurde uns begreiflich, dass wir Colmar nicht mehr erreichen können würden, da die letzte Schleusung zurück zum Rhein um 19:00h terminiert war
Wir wendeten, fanden auf Grund eines Hinweisschildes

eine Anlegemöglichkeit

und pilgerten durch den Ort Bischwhir, wo wir in einem sehr bizarren Lokal namens "Cafe du soleil" unser Blut mit einem mineralstoffreichen Getränk verdünnen konnten.

Karl leierte der Wirtsfrau ihre privaten Käse- und Brotvorräte ab und so konnten wir mit Festnahrung immerhin 50 Kilokalorien/Person zu uns nehmen.
Nach gelungenem Ablegemanöver konnten wir die anstrengende Rückreise antreten.
Als wir unsere Schleuse zum Rhein erreichten, war der Schleusenwärter nicht da. Heinrich steuerte eine wiederum recht interessante Anlegemöglichkeit an

[zu seiner Ehre: es gab keine andere], wir kletterten aus dem Boot und taten das, was Ruderer an Land machen: wir saßen im Dreck!
Der Schleusenwärter war zu der ca. 10 Kilometer entfernten Vorschleuse gefahren, um dort Krokodile größeren Ausmaßes zu beseitigen, die uns bei der Einfahrt auch fast in Bedrängnis gebracht hätten.
Tin stellte während des Aufenthaltes fest, dass wir Gewitter bekommen würde (zu dessen Ehre: über Breisach zog es sich zu!)
In der Schleuse schritt Tin´s Ergrauung erneut voran, als das Wasser beim "Aufwärtsschleusen" statt anständigerweise von vorne durch die Schütze zu strömen, von hinten kam und unser Festhaltemanöver ad absurdum führte.
Um die Schleuse Breisach auf den Altrhein zurück zu ersparen, verließ ich kurz davor das Boot, holte den Bus vom Ruderverein Breisach und sammelte meine Kameraden ein, die in die Möhlin eingefahren waren, um dort anzulanden. Dort empfing uns Annelies, die mit dem Bus nach Colmar gefahren war, dort Sightseeing gemacht hatte und mit einem Ausflugsdampfer auf dem Colmar-Kanal zurückgefahren war, uns auf dem Kanal aber verpasste, da wir zu diesem Zeitpunkt in dem erwähnten bizarren Cafe gewesen waren.
Wer also etwas über Colmar erfahren möchte, der wende sich an Annelies.
Essen gab es im "Hofgärtle im Kaiserstuhler Hof", welches sich das Ambiente zusätzlich bezahlen lies.

05.06.2007
Nach einer weiteren geräuschintensiven Nacht für mich neben Annelies ruderten wir unser Boot aus der Möhlin auf den Rhein; es ging abwärts Richtung Rhinau über Weisweil.
Außer einer Schleuse gab es keine Aufregungen.
In Weisweil hatte Tin, unser Landdienst, einen sehr netten Hofladen aufgetan, der an sich Ruhetag hatte, es sich aber nicht nehmen ließ, uns zu gut und preiswert zu bewirten.
Es erfolgte die Übergabe der Steuerleine an mich. Nach der Ausfahrt aus dem Hafen Weisweil kam starker Gegenwind auf, die Wellen standen. Die Unbegreiflichkeit meiner Steuertechnik wurde durch Tin nachhaltig kommentiert. Nichtsdestotrotz erreichten wir die nächste Schleuse unbeschadet, hatten nach telefonischer Anmeldung eine geringe Wartezeit und meine Jungs an Bord hatten was zu Lachen bei der Beobachtung meiner Versuche, mit unbeholfener Lassowurftechnik einen Tampen um den Schwimmpoller zu legen. Der Erfolg der Bemühungen wurde mit nicht geringem Applaus belohnt, die Schleuse wurde erfolgreich passiert.
Bei Kilometer 257,9 erfolgte die Einfahrt in den Rhein-Rhone-Kanal.


Nach Durchschleusung erfolgte ein hartes Backbordkommando meinerseits, welches durch den Auftrag unseres am Ufer befindlichen VL, ein verlustig gegangenes Anglerbeiwerk (Schwimmer) zu retten, abrupt unterbrochen wurde. Es erfolgte eine Übernahme des Bootes durch den Obmann Heinrich, der Rettungsversuch misslang ebenso wie der nachfolgende Versuch der Wiederaufnahme des Kommandos durch mich.
In der Folge entstand an Bord eine gewisse Uneinigkeit, die in Ausdruck und Lautstärke nicht weiter beschrieben werden soll, im Ergebnis aber unserem üblichen Sozialverhalten nicht entsprach. Bernd wandte sich in beschämter Verwunderung von uns ab. (Anmerkung: Zu viele Köche versalzen die Suppe, zu viele Steuerleute gefährden das Boot!!)
Unter Vermeidung der Fortführung unserer Auseinandersetzung landeten wir an und fuhren in unsere Unterkunft nach Kehl-Mahrlen, um im "Hotel Oeschger", einer ehemaligen Metzgerei, unsere Unterkunft für zwei Tage zu beziehen. Diese war ordentlich und aus architektonischer und dekorativer Sicht höchst interessant. Die Erörterung, ob die Zu-, An- und Umbauten den bauaufsichtsrechtlichen Regularien entsprechen, wurde abgekürzt geführt.
Im Gasthof "Zum Ochsen" gegenüber frönten wir den leiblichen Genüssen und wurden durch die dralle Bedienung belehrt, dass der Seniorenteller zu Gunsten des Tellergerichts abgeschafft worden ist (Nach dem Motto: Alt is(ß)t man nicht, alt wird man gemacht).

06.07.2007
Das ansprechende Frühstück nahmen wir unter den Argusaugen des Hoteliers, dem ehemaligen Metzgermeister, und denen seiner Gattin in dem bahnhofsähnlichen Frühstücksraum ein, der, geschmackvoll floral und mit Kunstdrucken unbekannter Künstler dekoriert, das Auge erfreute.
Der wahrscheinlich in allen lokalen Institutionen engagierte Hotelier offenbarte sich als König des "Small Talk" und lachte über seine Witzchen am lautesten.
An diesem Tag ging es auf dem Rhein-Rhone-Kanal nach Straßburg (12 Schleusen -35,4 km)
Die Strecke war wunderschön zu rudern; im Sonnenschein passierten wir wilde Kirsch- und Nussbäume, Pappelalleen, Schwanenfamilien.


Bis zur Pause in Eschau, wo uns Bernd erwarten sollte, hatten wir sechs Schleusen zu passieren, die mit Handbetrieb zu bedienen waren, wobei die Hand nur an einer Strippe ca. 200 Meter vor der Schleuse zum Einsatz kommen musste, der Rest ging automatisch. Heinrich wurde zum Strippenzieher erkoren und meisterte seine Aufgabe mit Bravour.


Nach 24 Kilometer und ca. 6 Stunden Ruderzeit (keine Strömung) erreichten wir Eschau, wo uns Bernd mit Käse, Brot, Tomaten, Naschwerk und mineralstoffreichen Getränken erwartete.
Ich übernahm den Landdienst zum Ruderverein "Rowing Club Strasbourg, 2 Rue de Saales", wo die anderen gegen 17:30 Uhr ankamen. Der auf den ersten Eindruck heruntergekommene Ruderverein

entpuppte sich als aktiv betrieben und dank der Hilfe der anwesenden französischen Ruderkameraden konnten wir unser Boot sicher auf dem Geländen unterbringen, wobei wir mit dem Bootswagen eine zweispurige Fahrbahn halbspurig im Gegenverkehr benutzen, was erneut der Ergrauung eines Teilnehmers Vorschub leistete (von wem rede ich wohl???).
Vor Sicherung des Bootes gönnten wir uns allerdings noch ein Bonbon, indem wir - verbotenerweise - durch die Barrage Vaubau ruderten und einen kleinen Blick auf Petite France erhaschten.


Schade, dass die Weiterfahrt nun wirklich verboten war.
Nach Rückkehr in unsere Metzgerei setzten Bernd und ich das Gespann Richtung Gambsheim um und der Abend endete im "Ochsen" mit leckerem Essen und Trinken, wobei wir sicher beschirmt den ersten Regen dieser Tour live erlebten (Bernd wollte uns eben was bieten).

07.06.2007
Um 9:30 Uhr setzten wir unser Boot am Ruderclub im Bassin Vauban wieder ein und ruderten durch Straßburg auf diversen Bassins mit dem ersten Ziel "Nadelwehr".


Am Europaparlament

ging es scharf steuerbord auf die Ill (I am Anfang, dann zwei ll). Neben Heinrich, dem Steuermann, übernahmen diverse andere Steuerleute auch die Befehlsgewalt.
Die dortige Schleuse

neben dem Nadelwehr auf dem Gelände der "voies navigables de France (VNF)" ist außer Betrieb und so wartete eine überaus komplizierte Umtrage auf uns, die es erforderte, dass zur Gewichtsreduktion alle beweglichen Teile des Bootes entfernt werden mussten. Unter Turnvater Heinrichs fast kommentarlos entgegengenommenen Kommandos bewältigten wir dieses Hindernis ohne Blessuren.

Es ist eine Schande, dass man diese Schleuse außer Betrieb genommen hat und so den Ruderern die Passage von Strasbourg verleidet.
Einige 100 Meter weiter am Kanuklub "Strasbourg Eaux Vives" erfolgte eine im Vergleich einfache Umtrage

zur Überwindung eines weiteren Wehrs.

Warum wir allerdings die Skulls in dem einzigen auf dem Areal befindlichen Hundehaufen abgelegt haben, konnte im Nachhinein nicht geklärt werden. Ca. 400 m hinter dem Wehr mündete die Aar in die Ill.

Ich übernahm den Bus bis in das pittoresque La Wanzenau, wo meine Kameraden gegen 13 Uhr anlandeten.

Essenstechnisch war es sehr mau, entweder teuer oder Mittagspause.
Es wurde beschlossen, bis Greffern weiter zu rudern. Insgesamt wurden auf der wirklich malerischen Ill ca. 22 Kilometer zurückgelegt; es handelt sich um ein sehr ursprüngliches Gewässer. Bei Sonnenschein und leichter Strömung ging es vorbei an gutsituierten Schwanenfamilien und blühenden Algenfeldern.

Bei Gambsheim erfolgte die Wiedereinfahrt in den Rhein. Eine stillgelegte Schleuse war durch eine Engstelle zwischen zwei Spundwänden ersetzt worden. Dadurch erreichten wir das "Unterwasser" mit einem ernormen Schub für das Boot .
Im Motorboothafen Greffern stärkten wir uns nur mit Flüssignahrung, die Zeit drängte, wir hatten noch 26 Kilometer bis Rastatt auf dem Rhein zu bewältigen mit einer Schleuse in Iffesheim.
Ca. 4 Kilometer vor dieser Schleuse überholte uns ein Selbstfahrer und wir pullten uns die Arme lang, um mit diesem geschleust werden zu können.
Wir erlebten ein Phänomen, wie es sonst nur am Bermuda-Dreieck vorkommt.
Unser Steuermann Karl glaubte, den Selbstfahrer fest im Auge zu haben (es fragt sich nur in welchem??).

Bei Ankunft vor der Schleuse stellte er fest, dass das von ihm anvisierte Schiff ein anderes war und das vermeintlich verfolgte verschwunden war. Das emotionale Ungleichgewicht eines Ruderkameraden war die Folge.
Der Anruf bei der Schleuse war aufgrund fehlender bzw. durch eine falsche telefonische Auskunft erlangte Nummer erfolglos.
So legten wir uns an einen Poller und unser emotional beeinträchtigter Tin wurde an Land geschickt zwecks telefonischer Kontaktaufnahme zum Schleusenpersonal. Wegen Wahrnehmungsmängeln( "wo soll ein Telefon sein?") konnte er diesen Auftrag nur unzureichend erfüllen.
Der nette Schleusendienst hatte uns aber bereits im Auge (und zwar im richtigen) und gab Anweisung, wie und wann wir einzufahren hätten, so dass wir nach ca. 1 Stunde schleusen konnten.
Danach wurde bis Rastatt (Kilometer 347,2) bei guter Strömung durchgeschrubbt. Unser Ziel den RC Rastatt im Goldkanal erreichten wir im Sonnenuntergang ca. um 21:15 h ausgelaugt und hungrig.
Heinrich, der Landdienst, hatte dem Wirt des Rudervereins die letzten Essensreste aus den Rippen geleiert (die Hamelner können organisieren) und so gab es Wurstsalat mit Brot und mineralstoffreiche Getränke.
Unsere Unterkunft, das "Hotel Wolf", erreichten wir spät. Es war ordentlich, aber wiederum etwas bizarr. Das Ambiente gab Veranlassung zu der Frage, ob die Zimmer dort auch stundenweise vermietet werden.
Die Jungs nahmen noch einen Drink im Rotlichtmilieu der Bar, die Mädels zog es auf die Matratze (ohne Begleitung!!)

08.06.2007
Um 9 Uhr waren wir beim RC Rastatt auf dem Wasser und verließen den Goldkanal mit dem ersten Ziel Ruderverein Germersheim.

Wir hatten Sonne pur und eine tolle Strömung, allerdings auch Behinderungen durch jede Menge Schiffsverkehr und Rialos. Untiefen und "schnell fahrende Bojen" bedurften der besonderen Aufmerksamkeit unseres Steuermanns Karl.
In Germersheim erwarteten uns dank Tin bereits am Floß mineralstoffreiche Getränke und eine beeindruckende Speisekarte (Rumpsteak 300 Gramm mit Röstzwiebeln und Salatteller für 12 Euro).

Mit Ruderkameraden aus Mannheim, die 31 Kilometer stromauf gerudert waren, hatten wir anregende Gespräche.
Auf der Weiterfahrt nach Ketsch (Kilometer 407) passierten wir Speyer mit einem wundervollen Blick auf dem Dom.
Eine mittlerweile aufgekommene Kaltschnäuzigkeit im Umgang mit Gefahrstellen ließ uns bei der Sichtung einer Boje in treibendem Zustand Wetten darüber abschließen, ob eine gefahrlose Passage ohne Rudermanöver möglich sei; erstaunlicherweise wurde dies gerade durch Tin bejaht, durch Bernd dagegen verneint.
Die Boje trieb ein Spiel mit uns, aus dem wir aber als Sieger hervorgingen.
Eine später in Erscheinung tretende rote Boje forderte uns zur Revanche und erforderte harte Rudermanöver, um diese um haaresbreite zu passieren (Merke: die Grünen sind die lieben, die Roten die bösen, wobei diese These völlig unpolitisch zu verstehen ist!).
Für das am Vortag urplötzlich verschwundene Schiff bot uns Karl einen Ausgleich, als urplötzlich eines auftauchte. Wie jede Gefahrensituation meisterten wir auch diese mit gemeinsamer Anstrengung, völlig nonchalant ohne größere Auseinandersetzung.
Wir legten unser Boot an einem Kanustopp im Ketscher Altrhein [Einfahrt bei Kilometer 406,3] ab.

Im "Hotel zur Rose" mussten wir erneut feststellen, dass Bernd die Zimmer in der höchsten Etage gebucht hatte (so wurden auch mal andere Muskelgruppen gefordert).
Bei Essen und Trinken im hauseigenen Biergarten beendeten wir den Tag, an dem wir 62 Kilometer zurückgelegt hatten.

09.06.2007
Wieder mal um 9 Uhr auf dem Wasser.

Die Kameraden legten 4 Kilometer auf dem malerischen Altrheinarm zurück und ruderten bis zum Floßhafen in Worms, wo ich als Landdienst erholsame Stunden in der Sonne mit einem guten Buch verbrachte.
Ich begrüßte sie gegen 13 Uhr mit einem mineralstoffreichen Getränk und wir speisten sehr ordentlich und preiswert.
Das Wetter drohte umzuschlagen, es zogen bedrohliche Gewitterwolken auf, aber unser "Ich-wunder-mich-nur, aber Mache-auch-Wunder-Bernd" hatte wie immer alles im Griff.
Das Ziel Gernsheim (Kilometer 461,7) ereichten wir trocken und ließen unser Boot schwimmend im Yachthafen liegen.
Während unseren Fahrt nach Zwingenberg, wo wir in der auf dem Berg gelegenen Jugendherberge unsere letzte Nacht verbringen sollten, kam es wie aus Kübeln auf uns nieder, was Bernd nur zu der Bemerkung veranlasste: Was heute runterkommt, ist morgen weg!
Bei Regen fuhren wir mit dem Bus in das Örtchen, wobei Tin zuvor in einer Anwandlung bäuerlichen Gefühls den Vorplatz der Jugendherberge mit gewagten Fahrmanövern durchpflügte. Wir aßen und tranken in der "alten Brauerei" und kaum war der letzte Bissen geschluckt, schien die Sonne vom Himmel.

Tin und ich begaben uns per Pedes auf den Weg zur Jugendherberge und genossen einen wunderbaren Blick auf das in der abendlichen Sonne liegende Zwingenberg, der älteste Ort an der Weinstraße.
In der örtlichen Bergkirche schnupperten wir ein wenig lutheranische Luft und erwarben uns zum Genuss und dem Herrn zur Ehre zwei Flaschen Orgelwein (der Erwerb unterstützt den Bau der neuen Orgel) und warteten mit dieser Errungenschaft unseren Kameraden auf, die bereits in trauter Einigkeit bei einem Glaserl in der Jugendherberge beisammen saßen.
Tin, Bernd und ich beschlossen, dem letzten Abend das letzte abzuverlangen.

10.06.2007
Der starke Regen des Vorabends erforderte erstmalig den Einsatz der Pumpe.
Tins Vorschlag, stattdessen die Heckschraube herauszunehmen, wurde nicht ernsthaft diskutiert.
Unser Ziel war eigentlich Geisenheim, eine Ruderstrecke von 61 Kilometern.
Trotz fantastischer Ruderbedingungen entschlossen wir uns jedoch, die Tour in Wiesbaden zu beenden (Kilometer 503), immerhin noch 40 Kilometer.
In Höhe Mainz hatten wir einige Unannehmlichkeiten zu bewältigen, bedingt durch eine Schar von Motorbooten.
100 Meter vor dem Anlegefloß wurde es durch starke Schifffahrt extrem unangenehm und Bernd übernahm - unvermeidlich - die einzige Welle.
Auf dem wackligen Anleger wurde unser Gleichgewichtssinn einer besonderen Belastungsprobe ausgesetzt, die wir, wie alles auf dieser Tour, problemlos meisterten.
Es wurde verladen und nach Geisenheim gefahren, ein letztes Mittagessen und Weinkauf bei Bernds Stammwinzer Kilian.
Eine letzte Auseinandersetzung über Tins Fähigkeit, die ihm übertragene Schlüsselgewalt nicht ernst zu nehmen, beeinträchtigte die Stimmung nur unwesentlich, und so fuhren wir auf der B 42 parallel zum Rhein in Richtung Heimat.
In Höhe Koblenz bei starkem Regen überkam uns erneut Dankbarkeit und Respekt gegenüber unserem Sonnenkönig Bernd, der es wieder einmal geschafft hatte, eine lange Tour zu gestalten, ohne dass Feuchtigkeit, mit Ausnahme der körpereigenen, uns beeinträchtigt hatte.
Nach einem Bier zum Abschluss im Club hieß es Abschied nehmen, was wir alle [mit Freuden??!] taten.

Der Leichtmatrose von Laboe bedankt sich bei dem sonnigen Fahrtenleiter Bernd, der nicht nur das Wetter im Griff hatte, sondern auch die Truppe, was unter Berücksichtigung der Eigenheiten jeden Teilnehmers bestimmt nicht immer einfach gewesen ist.
Ich bedanke mich bei Karl, Heinrich, Tin, Bernd und Annelies für eine wunderschöne Tour, für den Spaß, den wir hatten, für die Gespräche. Es war eine tolle Zeit.

Ahoi!!!!

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Letzte Änderung: 01.03.2009