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Lagune von Venedig und Vogalonga Pfingsten 2012

Du hast die Haare schön oder den „roden Niggi“ an!

Autorin: Gaby Reger, Bilder u.a. von Bernd, Christel und Jutta

Reisen bildet ja bekanntlich:

  1. Auch ein deutscher Fön kann mit einer italienischen Steckdose betrieben werden

  2. Bei ganz viel Sonneneinstrahlung gilt: nach einem weißen kommt ein „roder Niggi“, der vielleicht mal ein brauner wird oder sich auch wieder abschält

  3. der Sprachschatz wird immens erweitert, siehe 2.

Aber der Reihe nach:
Nach technischen Problemen bei der Übergabe des Kirchbootes in Saarbrücken (die Elektrik des Anhängers scheint eine Spezialverkabelung zu besitzen - hierzu auch Bernds Bericht der Anfahrt), konnte eine erfolgreiche Fahrt nach Venedig, genauer zum Lido di Jesolo – Punta Sabbioni, bewältigt werden. Ein eingespieltes Transportteam bestehend aus Peter, Bernd, Franz und Jens bestach den allgegenwärtigen Signore bei den Canottieri Treporti mit einer Flagge und für unsere „Galeere“ konnte ein Wasserungs-Termin für Samstag Morgen ausgemacht werden. Das musste gefeiert werden und so konnten unsere Flugreisenden (Kristina, Hansi, Christa, Gilian, Jutta, Christel, Elisabeth und ich) nur noch staunen, als sie spät abends von einer weinfröhlichen Runde in Empfang genommen wurden. Diese hatten sich zwischenzeitlich sogar noch mit Nicole, Norbert und Uwe verstärkt; man hörte munkeln, so schlecht war der Wein der Pizzeria nicht;-) Meistens ist man nach diesem Genuss etwas lauter und wir machten dann auch schon Bekanntschaft mit den Regeln des Campingplatzes „Miramare“ und dem Nachtwächter.

Am nächsten Morgen – Samstag – stellte sich bei Licht besehen heraus, dass wir 4 Hütten für eine Woche besetzen durften, schön alle in einer Ecke, kuschelig beisammmen. In unser erstes Frühstück hat es dann noch ein bisschen geregnet und schon waren alle hibbelig und die erste Fuhre machte sich auf zum 3 Kilometer entfernten Ruderverein und zum einkranen.

Das Boot wird zu Wasser gelassen

Unser Eintagesgastruderer Manfred fand sich pünktlich ein. Hansi, ganz ordentlich, erwarb noch einen kleinen Besen und ein Schäufelchen und so konnte die Überbrückungszeit, bis unsere letzten Ruderer Walter und Grazyna gelandet waren, sinnvoll zur Bootsreinigung genutzt werden.

Gute Stimmung

An diesem ersten Tag mussten wir uns erst mal ein wenig einrichten und orientieren, die ersten Reparaturen waren bald fällig (um es moderat auszudrücken: ein gepflegter Bootszustand sieht anders aus), aber gegen Mittag haben wir dann den Fischmarkt erreicht und konnten die Startunterlagen zur Vogalonga abholen.

Anlanden hinterm Fischmarkt

Jens weihte sogleich das offizielle T-Shirt ein (sein eigenes gelbes war wohl eingelaufen?).Mittagspause gab's dann in Murano,

Mittag in Murano

Ruderer - bekannte und unbekannte - überall und dann schnell Richtung Heimat, vorbei an der immer wieder sichtbaren MOSE-Baustelle (wir ahnten es schon, wir sehen sie noch öfter …), 30 Kilometer waren geschafft. (so wenig? Das GPS lügt nicht! Gefühlte Strecke? Nicht fragen …). Anlegen am Floß ging nicht mehr, aber direkt am Strand funktionierte es super, mit genauer Einweisung und Hochwasserangaben des örtlichen Spezialisten. Der hatte auch direkt einen Akkuschrauber zur Hand und das Boot konnte für die Regatta fit gemacht werden. Abendlicher Ausklang in der Pizzeria mit dem guten Wein;-)

Am Sonntag ging's früh raus, hektisches Treiben am Ufer, um sieben Uhr saßen alle im Boot, auch unser „zufällig-in-der-Nähe-Gast“ Peter Bergmann, der Manfreds Platz einnahm. Sogar die Baustelle wurde für die Kanuten geöffnet, die sicher mit Motorbootbegleitung auf den Kanal geleitet wurden. Im Ruderverein wurde Boot an Boot vertäut, die dann wie an einer Perlenschnur mit Motorkraft zum Start vor dem Markusplatz gezogen wurden. Wir mussten die knapp 10 Kilometer rudern! Die ersten Kreuzfahrer waren auch schon wach, wahrscheinlich auf dem Weg zum oppulenten Frühstück.

Begegnung

Um neun Uhr gab's den üblichen Krach und das Gedränge konnte beginnen.

Gute Stimmung vor dem Start

Bei schönem Wetter war wieder alles unterwegs, was schwimmt, an San Erasmo das übliche Stop-and-Go,

Gedränge und Gewusel

eine kurze biologische Pause im Schlick einer Salzwieseninsel, das Nadelöhr hinter Burano haben wir so grade noch geschafft, leider kein Schiebewind auf der langen Strecke nach Murano, ja, und dann, das Ziel schon fast vor Augen, „piano, piano“ vor dem Canale Cannareggio und dann lief nichts mehr. Aber auch gar nichts.

Einfahrt zum Cannareggio

Gekrönt wurde das Ganze noch durch das ständig laufende Martinshorn eines Ambulanzbootes, das der Meinung war, wo eine Wasserstraße, da auch ein Weg. Um die Meute rumfahren gilt nicht. Es war ja nicht so, dass im Kanal ein sanitäres Problem zu erledigen war. Ich glaube, es sollte einfach mal die Manövrierfähigkeit der Teilnehmer getestet werden, mitten durch geht immer, um dann auf auf der anderen Seite der Masse einfach zu entschwinden. Das Hin- und Hergewurschtel hat aber nicht viel gebracht, danach war wieder Stillstand. Chaos ist dort ja immer, aber über eine Stunde haben wir noch nie bis vor die erste Brücke gebraucht!

Mikado?

Hansi und Franz entwickelten in Anlehnung an die Venezianer eine Art Steh-Rudertechnik, die, untermalt von diversen Kraftausdrücken, relativ effektiv war und irgendwann haben wir den Engpass dann auch überwunden.

Geschafft: wir fahren wieder

Unter Rialto

Bei der „Raddaddel“-Vergabe war noch mal ein geordnetes Chaos,

Ende!

aber pünktlich mit dem Böller des Regattaendes konnten wir dem Markusplatz zum Abschied winken und uns im nun wieder aufgewühlten Wasser Richtung Baustelle (ja, die schon wieder) und Punta Sabbioni kämpfen. 50 Kilometer können ganz schön lang sein. Unsere „Fans“ Christel und Elisabeth haben uns gesichtet und waren mit unserem Anblick zufrieden.

Geschafft und wieder an Land

Ausklang des Tages diesmal links vom Campingplatz, in der anderen Pizzeria.

Preisverleihung

Für die einen gab es das erste Vogalonga-Raddaddelchen des Lebens, für andere eine Belohnung in Form eines Special-Pyramiden-Eis'.

Belohnung

Montag war dann unser erster Tag ohne Kielschwein. Aufgrund der Erfahrungen der letzten beiden Tage wurde die Strecke heute verkürzt und wir wollten den Lido umrunden. Erst mal – natürlich – MOSE-Baustelle und den Kurs an einer langen, langen Mole raus zur Adria. Erst drohten dunkle Wolken, aber (wie eigentlich jeden Tag) wurde das Wetter immer besser. Die Stimmung war gut und so pirschten wir uns vorbei am Backbordsignal und näherten uns der Strandseite des Lido. Mondän, aber ausgestorben.

Adria-Seite des Lido

Bernd steuerte uns souverän zwischen den Fischernetzmarkierungen durch zum mittlerweile unwirtlichen Ufer. Angeblich ist da aber überall “Spiaggia“. An einer eintönigen Stangenreihe vorbei, große Wackermänner und Seegras zeigte sich unter uns, in weiter Ferne große Bauten, ein Hoffnungsschimmer … Diese entpuppten sich dann leider als zugenagelte Anlage. Aber da, Bernds Adlerauge hat's entdeckt: ein Stück „richtiger“ Strand in Alberoni mit zugehöriger Strandbar, ganz in blau. Schnell wurden wir angespült, feinster Sand, Diskussionen „wie hoch kommt die Flut“ und im Gänsemarsch Richtung Lokalität, links mit Bedienung, rechts ohne. Hamburger und Panini gehen immer, schön im Schatten, die Füße im Sand. Gerade noch rechtzeitig zurück am Boot, das Wasser kommt doch schneller, als man denkt, nahmen wir die nächste Durchfahrt, den Porto di Malamocco (auch mit hübscher Baustelle), und guckten uns den Lido von der anderen Seite an. Unsere Wasserspezialisten empfanden die hiesige Wasserqualität für gut und – Platsch! - plötzlich vier Leute über Bord.

Reinemachen

Hansi bewies wieder seine Qualitäten als Saubermann und befreite die Riemen von grünen Spaghetti. Die Weiterfahrt war noch lang, der Lido hat auch einen Ruderverein, unser „Landpersonal“ Christel und Elisabeth versuchte vergeblich auf sich aufmerksam zu machen (der Tunnelblick hatte eingesetzt, aber auf Vaporetto-Besetzung achtet sowieso keiner) und MOSE entwickelte sich langsam zum Feindbild. Trotz Verkürzung waren es dann doch wieder 40 Kilometer.

Immer an der Mauer lang

In den Augen mancher Ruderin ganz vorn auf der Liste zum „schlimmsten Tag“. Aber als ob wir's geahnt hätten, haben wir morgens schon eine Großeinkaufsrunde gedreht, so dass den Grillkünsten von Hansi nichts mehr im Wege stand. Unterstützt vom servier-erprobten Walter und ein paar Ruderern (Grillen ist Männersache!), wurde Fleisch und auch Gemüse ans hungrige Volk verteilt. Uwe packte ein Neuwasserfläschchen aus, Jens kühlte den „roden Niggi“ und drehte eine zweistündige Erkundungstour durch die Wildnis Punta Sabbionis. Ein netter Abend!

Grillmeister

Am Dienstag gab's dann mal KEINE Baustelle, dafür Kanal: Canale Pordelio. Am Anfang noch recht urban, nachher ein bisschen einsam inmitten von Schwemmland, immer sichtbar die Türme von Lido di Jesolo und ein Silo bei Cavallino. Und dann, das kennen wir: eine Schleuse. Ein Schleusenwärter war schnell gefunden, dem Publikum am Ufer war es Recht und nach einer mehr oder minder gelungenen Ausfahrt (großes Boot!) waren wir auf dem Fiume Sile.

Schleuse von Cavallino

Schilf soweit das Auge reichte. Diese wildromantische Landschaft verfolgte uns dann bis Jesolo.

Fiume Sile

Die Durchfahrtshöhe der Drehbrücken war für uns groß genug, trotzdem konnte uns eine Mittagspause im örtlichen Eiscafé nicht schaden. Lecker!

Eiscafe in Jesolo

Die weitere Tour durchs Schilf vertrieben wir uns mit diversen Singspielen, Zitat: „... das war ein schöner Lied, der Lied hat gut geklingt ...“, so viel zu diesem Thema. Aber tatsächlich:die Pontonbrücke in Caposile erreichten wir dennoch. Das passte knapp und wir haben uns mit unserem Kahn durchgemogelt. Zentimeterarbeit und die Köpfe sind auch noch heil.

Ponotnbrücke bei Caposile

Die Parallelstraße verhieß uns „Kilometer 8“ und genauso weit war es dann auch noch bis Porte Grandi. Hier konnten wir am Ufer an der Brücke festmachen und mit Sack und Pack ging es Richtung Bushaltestelle ins „Ortszentrum“. Im Tabacchi gab's Fahrkarten für uns und auch für Gilian, die uns hier verließ und den Flughafen Treviso anpeilte. Diverse Busse später ging es dann auch für uns erst mal bis Lido di Jesolo (aus dem Bus betrachtet war unsere Ruderstrecke eigentlich recht nett) und dann weiter nach Punta Sabbioni. 44 Kilometer im Boot und genauso viele im Bus lagen hinter uns. Einige waren wohl sehr aufgeheizt vom Tag und so saßen wir abends drinnen und im Trockenen, als ein schönes Unwetter über uns hereinbrach.

Dementsprechend hoch war dann auch der Wasserstand im Boot, als wir am Mittwoch wieder nach einer entsprechenden Bustour in Porte Grandi ankamen. Aber die erprobten Saubermänner hatten alles im Griff und so ein bisschen Süßwasser kann so schlecht ja nicht sein.

Anlegestelle bei Porte Grandi

Entgegen der ursprünglichen Planung sind wir den Sile dann nur noch ein bisschen hoch gefahren und waren pünktlich um zwölf Uhr in der Schleuse. Der Schleusenwärter unterbrach daraufhin wichtige Termine und brachte uns sicher gefühlte 20 Zentimeter tiefer.

Schleuse von Porte Grandi

Jetzt hatten wir doch tatsächlich mal ein bisschen Strömung auf dem Canale Silone und auch Schiebewind. Mit einem kleinen Abstecher ins Flache haben wir Torcello angepeilt, sehr zur Freude eines Wassertaxifahrers einen bequemen Liegeplatz gefunden (nämlich seinen) und eine Mini-Besichtigung durchgezogen.

Torcello

Leider hatte der Kirchenturm zu viel an und wir zu wenig, also nicht kirchenkompatibel....

Torcello

In Burano gab's dann ein Mittagsliegeplätzchen, leider ging die Gastronomie nicht mit allen Gaumen konform, aber Eis geht immer.

Burano - müde Krieger

Burano - noch mehr Müde

Der Rückweg führte uns an San Erasmo vorbei und wir konnten uns Kanaleinfahrten bei Treporti ansehen (eigentlich war's nur eine, aber wenn man immer wieder dran vorbei treibt wird die Fantasie angeregt). Zumindest konnte man trefflich diskutieren, ob das denn die Einfahrt vom Hinweg gewesen sei. Nein, war sie nicht, war aber auch egal. Lokalitäten wurden immer wieder neu entdeckt und waren auch schon wieder Geschichte und am Ende waren wir doch wieder am Strand der Canottieri Treporti. Nach 23 Ruderkilometern waren wir wieder in der Pizzeria rechts des Campingplatzes angekommen.

Der Donnerstag sollte unser letzter Rudertag sein. Diesmal nur noch ganz „hösch“ nach San Erasmo,

Turnen in San Erasmo

das hiesige Faktotum Giovanni erklärte uns den Weg zu Bar an der Spiaggia (für Insider: nein, dieser Verlobte war mir zu untreu!), zu weit, also quer durchs Flachwasser Richtung Murano.

Murano

Peter in der Sonne

Dort gab es eine ausgedehnte Mittagspause, warm war's, Schatten wurde gesucht und gefunden

Kristina und Franz im Schatten

und dann sind wir ein letztes Mal an unserer Lieblingsbaustelle vorbei … mit Schiebewind und Flut, knapp 12 Km/h!!! Solche Geschwindigkeiten waren wir gar nicht mehr gewohnt. Mit unserem alten Freund war eine Uhrzeit fürs kranen ausgemacht, pünktlich haben wir das Floß angesteuert. Kranen ist auch Männersache, ein Teil der weiblichen Crew machte den Supermarkt unsicher und konnte die Zutaten fürs abendliche Grillen ergattern. Außerdem wurden so einige „Neuwassergetränke“ erstanden (u.a. sollten die Reste vom daheimgebliebenen Theo vernichtet werden, viel wird aber nicht bei ihm zuhause angekommen sein). Die Verluste wurden an diesem Abend aber nicht mehr beklagt, allerdings war der Nachtwächter wieder ziemlich auf Zack.

Es schmeckt zu vorgerückter Stunde

Der letzte Tag brach an, Nicole und Norbert verließen uns schon nach dem Frühstück, einige machten Venedig unsicher, ein paar Frauen verließen die Terrasse nach einer Stärkung

Jutta's Leckerei

nur für einen Jens-Gedächtnis-Marsch, Uwe machte sich nachmittags auf gen Moskau und der klägliche Rest fand sich abends ein letztes Mal in der Pizzeria rechts des Platzes ein. Unser Gepäck ging dann ab Mitternacht mit dem Bootstransport auf Reisen, um halb sechs fuhr unser Taxi nach Treviso vor und nur noch Walter und Grazyna konnten noch einen Tag auf dem Lido di Jesolo entspannen.

Der rote Nicki ist mittlerweile braun oder auch schon verblasst, der Alltag hat uns wieder, aber 210 hart erkämpfte Kilometer können wir auf unser Konto verbuchen.

Die Fahrtenleitung freut's

Eine schöne Tour war's, alle waren brav und die Fahrtenleiterin konnte Ihre Inneneinrichtung vervollständigen. Danke! Und … nächstes Jahr fahren wir zu anderen Ufern!!!

 

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Letzte Änderung: 19.06.2012