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Vortour zum WRT 2012

Autorin: Helga Kotthoff aus Konstanz? (mit dichterischem Beistand von Margarete Boos und Gert Schnicke)

Unsere Märkische Ruderrundwanderfahrt, organisiert und betreut von Werner Rudolph, begann am Storkower See, von dem aus es am 1. Sept. gleich morgens mit vier aus Ba-Wü mitgebrachten Booten in den Storkower Kanal ging, auf Kummersdorf zu. Der Lärm der Großstadt liegt nun hinter uns, die einzigartige Fluss- und Seenlandschaft vor uns. Wir zwanzig Personen aus allen Ecken Deutschlands und einer österreichischen durchqueren mit den Vierern Odysseus, Judith, C-Liner G 02 und dem Zweier Frau Scott erst einmal den malerischen Wolziger See und den Langen See in Richtung Prieros. Immer wieder sorgen Schleusen für kleine Abenteuer (in Beeskow, Neubrück, Fürstenwalde, Prieros-Mühle usw.). Manchmal darf man sich recht lange vor ihnen ausruhen, manchmal noch länger, weil die Boote nur der Reihe nach drankommen und sich Motorboote dazwischen schieben und natürlich vordrängeln (Stichwort „Rialo“, später mehr dazu). Schleusen können so klein sein, dass nur ein Boot hineingeht.

Auf der nicht nur bei Bibern beliebten Dahme ruderten wir zum silbern sich spiegelnden Köthener See, wo wir in einer Jugendherberge eine gute Unterkunft gefunden hatten (bzw. Werner Rudolph sie vorab organisiert hatte). Ein Sprung in denselben rundete die Tagesreise auf den Brandenburgischen Wasserstraßen ab. Nach neun Stunden im Boot wollte der Körper mal wieder andere Muskeln bewegt haben. Abends grillte uns der Herbergsvater vorzügliche Steaks und Würstchen.

Mystischer Köthener See

Morgens um acht Uhr lag der Köthener See noch im Nebel. Rings umher alles grün, der Wald steht still und schweigend. Dann kam aber schnell die Sonne heraus und mit ihr die Ruderer, Boote fertig machen, zack zack, ab die Post. Der Sonnenschein blieb uns in den ersten vier Tagen mit über 25° als Durchschnittstemperatur erhalten. Die Wettergöttinnen haben es durchgehend sehr gut mit uns gemeint. In 7 Tagen gab es kaum einen Tropfen Regen. So manche Regenhose langweilte sich im Koffer.

Am zweiten Tag (Sonntag) navigierten wir durch den Unteren Spreewald. Spreewaldnachen mit blumengeschmückten Tischen werden an uns vorbeigestakt. Touristen blicken aufmunternd-wohlwollend zu uns herab. Auch die Kanuten zollten ihren Respekt vor der Wendigkeit der Ruderboote. Denn Wasser ist ja unser aller Element. In Schlepzig reichte die Zeit gerade für ein schnelles Mittagessen in einem typisch brandenburgischen Lokal. Spreewaldgurken im Glas, im Topf, auf Postkarten, als Schnaps, im Salat… Der anmutig sich schlängelnde Puhlstrom ist wie viele Gewässer in Brandenburg rechts und links von dichter Ufervegetation gesäumt. Erlenwälder, Schilfgürtel und Farne beranken den Weg. Welse, Schleien und Zander staunen einen von unten an, nicht ahnend, dass wir sie am Abend auf dem Teller vorfinden werden. Sorry, ihr Hübschen und Leckren. Die Nacht wieder in Köthen. Es gibt speziell angelegte Wasserwanderrastplätze, die aber manchmal vom Schilf zugewachsen wurden.

Am dritten Tag (Montag) sind wir zunächst auf den Dahme-Umflutkanal und dann durch verschiedene Seen (z.B. über den Neuendorfer See) und über die Spree nach Beeskow gerudert, wo wir ein schönes Hotel hatten. Schwielen- und Blasenvermeidungstipps machen die Runde. Babysöckchen auf Plastikgriffen werden zum Renner. Das Ganzhandpflaster entfaltet auch ästhetisch seine Reize.

Umflutkanal

Am Dienstag nix wie ab auf der Spree nach Fürstenwalde. Alle sind natürlich in Topform (zumindest morgens). Der Eine oder die Andere träumt vor sich hin und erntet Werners Rüffel. Für den Abend hatte Werner Rudolph, vermittelt über Uwe vom Fürstenwalder Ruderclub, eine sehenswerte Stadtführung organisiert. Die Stadt war Bischofssitz. In Verkleidung als König Friedrich Wilhelm I., bekannt als der "Soldatenkönig", führte uns ein freundlicher junger Mann an den Sehenswürdigkeiten vorbei, u.a. dem Dom St. Marien und dem Museum. Ein Heimattiergarten findet sich neben dem Stadtpark und es gibt die größte Freizeit- und Keramikwerkstatt Berlin-Brandenburgs. Die Stadt ist auch Drehkreuz bekannter Fernradwege: Spreeradweg, Tour Brandenburg, Oderbruchbahnradweg.

Gruppendynamische Höhepunkt-Übernachtung in einem Haus mit drei Duschen für 20 Personen, Dreierzimmer im Verbund. Herren müssen dauernd auf Toilette, weil Durchqueren von Damenzimmer nicht ohne Reiz (Blasenreizung eingeschlossen). Gert läuft organisatorisch und humoristisch in einem Lokal mit dem längsten Tisch Deutschlands zu Hochform auf, indem er Streichhölzchen zur Festlegung der Duschreihenfolge ziehen lässt. Wir lachen uns halbtot. Das Lokal hat einen „stillen Diener“, nämlich einen Aufzug, der unsere Speisen und Getränke von unten aus der Küche und vom Tresen direkt neben unseren Tisch transportiert. Chris und Frauke bedienen uns nicht nur sehr zuvorkommend, sondern machen auch eine witzige Performance aus der Kommentierung all der heiß ersehnten Gläser und Teller.

Am Mittwoch flott nach Erkner. Der Landdienst ist oft anspruchsvoll. Er kann irres Herumgurken mit zwei Autos in der Landschaft bedeuten, z.B. zum Campingplatz Jägerbude (nicht im Navi), wo zum Mittagessen im Restaurant angelegt werden konnte. Der Landdienst brachte jeweils auch die Koffer zum nächsten Übernachtungsplatz und organisierte Piknikplätze, an denen man anlegen kann. Der Ehrenvorsitzende des Ruderclubs Erkner Schmidti (Heinz-Dieter) erzählt uns am Tisch beim Bier eine Menge Dönekes aus dem Ostalltag und dem bunten Leben seines Ruderclubs, auf dem einige nette Lauben stehen. Abends Essen ohne überflüssiges Duschen (weg mit dem Hygienezwang) an der Spree in einem schönen Lokal.

An Bord konnte man sein Fachvokabular gewinnbringend erweitern. Z.B. riefen manche großen Motorbooten ein fröhliches „Rialo“ nach (siehe oben, die Abkürzung von „Riesenarschloch“, klingt aber harmlos wie „Halihallo“ und erzeugt auch solche Reaktionen, Gelächter der Insider im Boot). Der Sprachkurs an Bord beinhaltet auch „Teebeutelrudern“ (sich ins Boot hängen und ziehen lassen) und „Kompottrudern“ (der rudernde Nachschlag nach dem Abendessen). Der allgemeine Schiffahrtsgruß „Immer ne Handbreit Wasser unterm Kiel“ kommt verschiedentlich zum Einsatz.

Am Donnerstag (6. Tag) wartet mittags in KönigsWusterhausen ein Fernsehteam des Radios Berlin-Brandenburg auf uns (Ja, wir sind wirklich gut, es hat sich wohl herumgesprochen!). Spaß beiseite: Es sollen Bilder gemacht werden über Wassersport in Brandenburg anlässlich des Wanderrudertreffens am Wochenende in KönigsWusterhausen. Übernachtung in Prieros in einem netten Hotelchen, das uns eine sehr leckere Grillerei organisierte.

Am Freitag morgen dann gut gelaunter Endspurt nach Teupnitz (etwa 17 km vor KönigsWusterhausen): Die Perlenkette aus Schmöldesee, Hölzener See, Kleinköriser See, Schweriner See, Teupitzer See liegt erst vor und dann hinter uns . Und jetzt machen Sie bitte die Augen zu und wiederholen die Seen. Sie haben den Spreewaldwanderrudergedächnistest (leider nicht) bestanden.

 

Eine große Putzaktion schließt als Abschiedsparty die rundum wunderbare Tour ab. Boote werden an allen Ecken auf Hochglanz gewienert. Unsere Boote kommen beim Wanderrudertreffen wieder zum Einsatz.

Zum Schluss hier die Erkenntnis der Woche: Freundschaft ist, wenn einer für gutes Schwimmen lobt, nachdem man beim Rudern gekentert ist (das sind wir aber natürlich nicht).

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Letzte Änderung: 18.11.2012