von Webmaster

Portugal

Im Herbst auf dem Douro in Portugal

Autorin: Gaby Reger

Eine Reise mit Programmänderung in drei Teilen!

Prolog:

Damit es nicht ganz so dekadent aussieht, sollte es vor der „offiziellen“ Tour noch ein bisschen Pflichtprogramm geben. Also trafen sich Ruderwillige aus Magdeburg, Kloster Lehnin, Zernsdorf und die TPSK-Vorhut bereits am letzten Freitag im September so zwischen Mittag und Mitternacht in Porto. Die ortskundigen Nicole und Norbert hatten uns 4 kleine Appartements in einem citynahen Hinterhof gemietet. Es ist immer wieder erstaunlich, was sich hinter einer unscheinbaren, sogar ein bisschen schäbigen Fassade verbergen kann.

Immerhin schon zu zwölft machten wir am Samstag die Innenstadt unsicher.

 Porto Straßenbahn

Per Pedes erkundeten wir das Rathaus, diverse Kirchen, Kathedralen und Plätze, die große Markthalle hatte geschlossen, manche wanderten zur Stippvisite ins Hard Rock Café, weiter zum Douro-Ufer. Irgendwie schafften wir es in einem kleinen Lokal Platz zu nehmen, das zu einem Sportverein gehört, der auch den Infante im Namen trägt. Fisch und Meeresgetier in allen Variationen. Da muss man dann durch…. Gut gerüstet turnten wir immer aufwärts zur Brücke Ponte Dom Luis I. Ganz oben hoch, nur für Fußgänger und die Metro. Die Autos müssen sich schön unten auf dem schmalen Sträßchen drängen.

Blick von der Brücke über dem Douro

Wenn man den ganzen Weg dann auf der anderen Flußseite wieder heruntergegangen ist, meldet sich der Durst. Wie gut, dass sich hier Weinkeller an Kneipe reiht. Obwohl wir nicht essenswillig waren, hatte uns auch schon der geschäftstüchtige Viktor vom Douro Velho am Wickel und wir wurden mit diversen Getränken versorgt, natürlich für die Willigen auch mit Portwein. Tatsächlich waren wir wohl so eindrucksvoll, dass wir eine Woche später erneut auf einen Schluck ins Lokal „gezerrt“ wurden. Einige waren schwer beeindruckt, dass noch ein Kellereibesuch nachgeschoben wurde, während sich der Rest noch ein bisschen zu Kultur und Abendessen-Vorbereitung aufmachte. Leider fing es dann auch leicht an zu regnen, so dass wir uns alle in eins dieser Apartements quetschten „mussten“. Ein bisschen abenteuerlich, aber Platz ist ja bekanntlich in der kleinsten Hütte.

Gruppenbild vor Kathedrale

Sonntag dann klarte es auf, wir machten noch einen kurzen Trip zum sehr hübschen Bahnhof Sao Bento und auch die Nachhut traf ein. Alle 15 komplett! Und ab zum Bahnhof, auf zum Start der Rudertour.

Der offizielle Teil:

Start um 12 Uhr am Bahnhof Campanha mit Paulo, dem Präsidenten des Clube Naval de Infante D. Henrique, der diese Tour für uns ausrichtete. Mit einer knapp 4-stündigen Bahnfahrt entlang des Douro konnten wir uns schon mal auf die nächsten Tage einstimmen. Zu gucken gab es auf jeden Fall viel. In Pocinho angekommen trafen wir unsere Begleitung Fernando und Albino für die Tour zusammen mit den drei Vierern, die wir schon einmal betrachten durften. Übernachtet wurde oben hoch in der Jugendherberge in Vila Nova de Foz Coa, zum Abendessen wurden wir in eine kleine Kneipe im Ortszentrum gekutscht. Ein Thema auch hier, das sich die ganze Tour durchziehen sollte: Wir hatten Vegetarier und Fischverweigerer an Bord. Irgendwie schon ein bisschen unbegreiflich für den Einheimischen…

Start in Pocinho

Unsere erster Rudertag startete mit einem spartanischen Frühstück. So passten wir aber auch besser auf den doch sehr schmalen Steg direkt hinter der Staustufe. Große Leute waren zum Überkopf-tragen gefragt. Kaum auf dem Wasser, stand zum Eingewöhnen schon die erste Schleuse mit 20 Meter Hub an. Und das alles im freien „Schwimmen“, keine Leinen, keine Haken.

Schleuse

Danach hatten wir dann reichlich Zeit zum ersten Schrauben, da uns die Innenhebel viel zu lang vorkamen. Ein guter Wanderruderer hat ja immer Werkzeug dabei! Eine kleine Pause gönnten wir uns an der Einmündung des Rio Sabor. Schöner Strand, aber leider alles geschlossen. Praktischerweise kam grade dort unser erstes Kreuzfahrtschiff vorbei. Hatten wir also viel Platz um die Wellen abzuschaukeln.

Am Rio Sabor

Es sollte sich herausstellen, dass wir nahezu die einzige schöne Anlegestelle auf unserer Etappe gefunden hatten. Zur Mittagspause lockten uns Albino und Fernando über die ausgeteilten Walkie Talkies an einen Motorbootsteg bei Freixo de Numao. War ein bisschen suboptimal, aber wir wurden mit ordentlich Brot, Gerstensaft und natürlich auch gesunden Sachen verwöhnt. Pünktlich zum Ablegen kam der nächste Kreuzfahrer um die Ecke und hat auch die Ängstlichste überzeugt, dass diese Boote ganz schön Wellen abkönnen (obwohl sie nicht so aussehen und sich auch nicht so anfühlen). Unser Tagesziel war ein Seitenarm bei Ferradosa mit ein bisschen Strand, wo wir die Boote für die Nacht aufbockten.

Ausstieg am STrand

Ab da ging es mit einer kleinen Bar-Unterbrechung zum örtlichen Bahnhof und dann mit dem Zug zwei Haltestellen bis nach Tua. Hier wurde es dann fast ein bisschen luxuriös: Das Hotel hatte einen Pool und das Abendessen im Restaurant Calça Curta nebenan war fantastisch!

Am nächsten Morgen mussten wir wieder retour mit der Bahn und hatten schon einmal Ausblick auf den ersten Teil der Ruderstrecke. Sehr eng und steinig. Dafür konnten wir aber auch bereits eine erste Anlegemöglichkeit in San Martinho auskundschaften. Die Schleuse war bereits nach 3,5 Kilometern avisiert, wir hatten Zeit bis 11.50 Uhr- Glücklicherweise durften wir auch schon ein bisschen früher, da danach noch knappe 22 Kilometer bis 15 Uhr zu schaffen waren. Diese Zeiten waren immer vorgegeben, sonst hätten wir unsere vielen Programmpunkte nicht „abarbeiten“ können (und die Schleuserei hätte dann auch nicht gepasst). In der Schleuse ging es 32 Meter abwärts und durch das „Guillotine-Shape“-Tor in die Strömung raus.

Unterwegs auf dem Douro

Bis zur avisierten Bar mit Steg und Strand hatten wir knappe drei Kilometer einen engen Canyon mit noch engerem Fahrwasser vor uns. Auf den ganz dicken Felsen steht ab und zu auch mal eine Stange. Auch hier hatten wir wieder das Glück, dass uns ein Kreuzfahrer erst an unserer Pausenstelle „erwischte“. Davor wäre es vielleicht nicht ganz so entspannt gewesen. Pünktlich waren wir dann in Pinhao, wo wir direkt Löscharbeiten der Feuerwehr an einem brennenden Dachstuhl bestaunen durften. Lange währte unser Zuschauerdasein aber nicht, schon waren wieder die Überkopf-Träger gefragt.

Steg in Pinhao

Nach einem oppulenten Picknick im örtlichen Park stand die Besichtigung der Quinta do Bomfim an, einem Weingut. Leider waren die Hauptarbeiten an der Verarbeitung der Portwein-Trauben bereits angeschlossen, trotzdem war es sehr interessant und die abschließende Verkostung natürlich willkommen. Ruby, Tawny oder LBV? Die Geschmäcker sind unterschiedlich!

Besichtigung Quinta

Übernachtet haben wir Tabuaço auf dem Berg im Placido Hotel. Corona-mäßig war es ein bisschen kompliziert, da wir uns den Speisesaal mit einer Gruppe portugiesischer Rentner teilen mussten. Das Knöllchen für unseren zweiten Transfer-Bus wegen Verstoß gegen die Corona-Bestimmungen mit der Anzahl der Mitfahrenden verschweigen wir jetzt mal…

Hotel-Buffet

Am nächsten Morgen starteten wir zur nächsten Schleusung in 18 Kilometer Entfernung. Avisiert war 12.25 Uhr – natürlich waren wir früher da. In Bagauste erwarteten uns 27 Meter Höhenunterschied. Danach ging es wieder richtig fix. So fix, dass wir fast unseren Landdienst in Regua verpassten, der die Etappe hier abbrechen wollte, da unsere Landemöglichkeit 10 Kilometer weiter nicht zugänglich war. Bevor wir also das Stadtpanorama genießen konnten, mussten wir wenden und an einer alten Slipanlage war dann erst mal Ende. Ordentliches schrauben und putzen war angesagt und irgendwie fanden die Boote ihren Weg auf den (ein bisschen abenteuerlichen) Anhänger.

Angekommen in Regua

In ziemlicher Hektik ging es dann ins örtliche Hotel Columbano. Hier dann: Programmänderung! Mittag fassen im „Manel da Aninhas“. Okay, dann kommen wir auch abends noch mal wieder! Dazwischen war Zeit für Portwein-Wissen im Douro Museum. Aber auf der Museumsterrasse oben hoch schmeckte auch ein kühles Sagres!
Unser letzter Rudertag begann mit einer Zugfahrt nach Porto. Angekommen erwartete uns nicht nur ein wieder aufgetauchter Personalausweis sondern Direktverladung und Transfer nach Gramido zum ausrichtenden Clube Naval Infante D. Henrique (sag‘ noch mal einer was gegen Telekom-Post-Sport….usw.).

STeg in Gramido

Hier wurden wir von einem modernen Bootshaus mit gut ausgestatteten Mehrbettzimmern erwartet. Unsere Boote waren auch schon da, also den ganzen Kram wieder abladen und zusammenbasteln. Danach machten wir uns auf unsere Abschlussfahrt durch Porto bis wir das Meer sehen konnten.

Douro in Porto

Die Rückfahrt gestaltete sich als Panoramatour an den Weinkellern vorbei, durch die Ponte Dom Luis I. wieder zurück nach Gramido. Die Angler übrigens wie bei uns, also angeln grundsätzlich auf der gegenüberliegenden Seite. Und die Reaktion bei Kollision ist auch wie bei uns.

Panoramafahrt durch Porto


Nach der erneuten Bootsschrauberei gab es noch ein kleines Picknick in den Hallen des Clubs und einen Transport zu den Weinkellern, natürlich mit Führung und Verkostung. Dann waren wir nur noch reif für das „Farewell Dinner“ im Club-Restaurant mit Chef Paulo. Obwohl es schon dunkel war, wurde immer noch gerudert. Ohne Lampe … Erstaunlich!
Alles hat ein Ende, irgendwann war alles leergeputzt und am nächsten Morgen war dann endgültig Schluss. Dieser wurde von einem liebevoll zubereiteten Frühstück der Club-Frauen eingeläutet. Wir haben zwar noch versucht, alles ein bisschen hinaus zu zögern. Aber auch dass drei Leute im Aufzug stecken blieben und der Notschlüssel erst herbei telefoniert werden musste, trug nur unwesentlich auf. Wir sagten dem Douro „adeus“.

Gruppenbild

Epilog:

Ohne Heike und João machten wir uns auf Richtung Süden. Corona-bedingt leider nicht ans Meer, da die Umgebung von Lissabon schon als Risikogebiet zählte. Dafür ins Alentejo in die Nähe von Montemor/Evora. Hier hatten wir ein ganzes Haus für uns. Sogar mit Pool. Leider hatte uns auf der Strecke dann auch das kühlere Wetter eingeholt, also BRRR! Aber Wetter wie gemacht für eine Stadtbesichtigung von Evora. Mitten hinein in die Kultur. Wenn nur nicht die Motorradrallye gewesen wäre. Hier war nämlich Etappenziel und irgendwie knatterte immer ein 2-rädiges Vehikel um die Ecke. In historischer Zeit waren die Römer da und haben Einiges hinterlassen und auch die Mauren.

Altes Gemäuer in Evora

Es gibt eine Kathedrale und die Capela dos Ossos (Kapelle der Knochen) . Den Abend beschlossen wir in Montemor-o-Novo nicht im geplanten Restaurant, sondern – Programmänderung!- in einer kleinen Kneipe in der ehemaligen Stierkampfarena. Und, ja, was soll man sagen? Wahnsinn! Selten so gutes Fleisch gegessen, frisch präsentiert und dann auf dem Grill um die Ecke auf den Punkt gegart. Auch für unsere Vegetarier wurde einigermaßen gesorgt. Unsere klare Empfehlung: „Sector 4 Café“.

Gruppenbild in EVora

An unserem letzten Tag wollten wir eigentlich eine Runde um eine nahegelegene Talsperre drehen. Zumindest wurde uns das von unserem Wirt so empfohlen. Von den Zaunüberwindungen, den Kühen und dem „not amused“ wirkenden Bauern hat er uns aber nichts verraten. Also: Programmänderung!. Wir drehten schon mal eine Runde über das Gelände an der Quinta da Plansel, da uns hier später sowieso noch ein Weinprobe inkl. Leckereien erwartete. Die Weinguthunde nutzen die Gelegenheit endlich mal in netter Begleitung ein Ründchen zu drehen und steppten fröhlich mit uns mit. An Weinstöcken, einer Handvoll Olivenbäumen und Korkeichen, kleineren Rind-Ansammlungen vorbei trieb es uns zur versprochenen Weinprobe. Nicole kennt sich aus und so konnten wir diverse nette Tröpfchen kosten und nebenbei ein paar Tapas verdrücken. Und damit der Tag nicht ganz vergebens war, haben wir uns noch ein bisschen gebildet: Es gibt eine hübsche Kapelle auf dem höchsten Hügel der Stadt Montemor und direkt gegenüber auf der anderen Seite die Reste des alten Kastells.

Blick übers Alentejo

Abends wurde zünftig der Kamin angeheizt und alles vernichtet, was wir nicht tragen konnten.

Am nächsten Morgen wurden wir je nach Gepäckgröße in verschiedene Autos verteilt und machten uns auf zum Flughafen. Aufgrund unserer verschiedenen Abflugzeiten trennten und kreuzten sich unsere Wege noch ein paar Mal. Spät abends waren dann wirklich alle wieder zu Hause. Und alle glücklicherweise gesund und munter! Schön war's!

Blau und weiß