von Webmaster
Das große weite Meer oder Testfahrt für Regenkleidung
Die meisten Ruderer werden es kennen, dass man sich die Frage stellt, wo man noch nicht gerudert ist, aber gerne mal rudern würde. Dies war für eine Gruppe von 4+1 Personen der Grund nach Nord- Schleswig zu fahren, um auf der Ostsee zu rudern. Die Region ist gemischt von Deutschen und Dänen, die inzwischen als Minderheiten, jeweils in Deutschland und Dänemark toleriert werden und achtsam und vor allem friedlich miteinander umgehen. Dieser Umgang ist vorbildlich, was in der Historie nicht immer so war.
Wir haben uns bei dem Deutschen Ruderverein Hadersleben einquartiert. Der Verein hat ein Bootshaus in Haderslev und eine Hütte an der Ostsee in Hejsager-Strand. Bei letzterer liegen zwei Inrigger-Boote, ein 2er und ein 4er, mit denen man auf der Ostsee rudern kann, - wenn das Wetter mitspielt! An unserem ersten Rudertag tat es dies nicht, wir konnten wegen des starken, ablandigen Windes noch nicht auf das Meer. Wir fuhren stattdessen auf dem 14 km langen Haderslev-Fjord bis an die Ostsee Richtung Aaeroes Sund. Der Fjord schlängelt sich durch eine hügelige, zeitweise waldige Landschaft. Immer wieder sieht man Gutshöfe mit grasenden Tieren auf den Weiden. Auf der Hinfahrt hatten wir guten Rückenwind, wohl wissend, dass wir die Strecke wieder zurückrudern müssen und der Wind eher nicht drehen wird. Am Ende des Fjordes wurde dieser breiter und wir konnten bei stärkerem Wellengang und nach einigen Regenschauern die Ostsee erspähen. Dies war ein Anblick, den wir uns rudernd erarbeitet hatten. Es war ein schöner Anblick zur Weite des Meeres und seinen Inseln.
Der Rückweg war erwartungsgemäß mühsam, immer wieder mussten wir uns durch Regenschauer abarbeiten und ersehnten die Dependance der Rudervereine am Fjord, aber es dauerte. Unsere Steuerfrau zeigte zwischen Daumen und Zeigefinger die sichtbare Größe des Bootshauses, bis der Steg endlich neben uns war.
Die Hütte in Hejsager-Strand ist für acht Personen ausgelegt. Bei dem regnerischen Wetter das wir hatten mussten wir nach Plätzen für unsere nasse Kleidung suchen. Der Küchen- und Wohnbereich ist recht groß und unser Fahrtenleiter bedachte uns jeden Tag mit warmem Abendessen. Wir waren eine freundliche Gemeinschaft und hatten viel zu erzählen und zu diskutieren. Jeder half mit. Das Haus hat keine Sicht auf das Meer, aber wenn man 50 Meter geht, steht man am Strand der Bucht Sandvig mit Blick auf Fünen und Als. Nachts kann man auf dem Meer zwei Sektorenlichter von Leuchttürmen sehen und die Lichter der Ortschaft Augustenhof.
Am nächsten Tag hatten wir den Wind parallel zur Küste und wollten aufs wellige Meer. Einige hatten diese Erfahrung noch nie gemacht. Wir hatten einen Ruderer in unserer Gruppe, der die dänische Steuererlaubnis zum Steuern an der Küste hatte. Das Einsteigen bei Wellen hatte eine gewisse Herausforderung. Als wir dann endlich drinnen saßen mussten wir uns zunächst sortieren und ehe wir uns versahen trieb uns der Wind (4bft) bereits in die falsche Richtung auf eine Badeplattform zu. Evver et is noch mal jut jejange. Wir lernten recht schnell und mühten uns ab, um mit dem Riemen- 2er vorwärts zu kommen. Zwischendurch gab es mal Wechsel der Sitzplätze, was bei dem Wind und den Wellen erst einmal eingeübt werden musste. In manchen Situationen griff der Wind so stark an die Bordwand, dass wir nur mit einer Wende das Boot gedreht bekamen. Zur Meerseite sahen wir die 2km vom Ufer entfernte Insel Barsoe und hatten den Eindruck, als ob sie vor uns wegschwimmen würde, aber irgendwann kamen wir an ihr vorbei. Auch der Blick an Land vermittelte uns wie langsam wir vorankamen. Der Landdienst erwartete uns in Vika in der Gennerbucht und wir zogen das Boot mit dem Namen „Roter Oktober“ am Strand hoch, um es an einem anderen Tag weiter zu rudern.
Da der nächste Tag wegen ungünstigen Windes, Wetter und Wellen nicht für das Rudern auf dem Meer geeignet war, fuhren wir an die Nordseeküste nach Hoijer, um auf dem „Fluss“ Vida zu rudern. Auf der Fahrt dort- hin fuhren wir durch Starkregen und Gewitter zu dem dortigen Ruderverein. Die verschiedenen Wetter – Apps wurden sondiert und irgendjemand fand eine App die keinen Regen oder gar Gewitter vorhersagte. Vor Ort klarte es tatsächlich etwas auf und die Optimisten gingen von einem regenfreien Tag aus. Wir ließen unseren ausgeliehenen Dreier+ zu Wasser. Der Fluss Vida ähnelte einem Kanal mit einigen Kurven und Abzweigen. Am Rand befand sich ein Schilfgürtel. Immer wieder kamen wir an Bauernhäusern vorbei, Schafe und Rinder beäugten uns interessiert oder vielleicht auch erstaunt - da die Wolken sich immer mehr verdunkelten. Von der Nordsee hörten wir Gewittergrollen. Unsere Steuerfrau fand immer wieder blaue Flecken am Himmel und versuchte uns aufzumuntern, aber irgendwann mussten wir unsere Regensachen anziehen und durch Starkregen fahren. Es gab zwischendurch auch regenfreie Strecken. Die Brücken waren leider zur falschen Zeit am falschen Ort. Ursprünglich wollten wir bis Tonder fahren, allerdings war der Fluss hinter einem See für Ruderboote zu stark verkrautet. Also legten wir an einem Steg an und flüchteten wegen des wieder beginnenden Regens in ein Restaurant/ Hotel, in dem es schön warm war und wir von innen zuschauen konnten wie der Regen alles überflutete. Bei einem Cappuccino, einem leckeren Stück dänischen Brotkuchen und einem Dach über dem Kopf kann das Spaß machen. In Dänemark sind die Preise recht hoch. Für einen Cappuccino und ein Stück Kuchen haben wir umgerechnet 20€ bezahlt. Eine Stunde dauerte es, bis der Regenguss aufhörte und wir zu unserem Boot zurück gehen konnten. Das Boot war nicht untergegangen, hatte aber Wasser bis zum Einstiegsbrett und eine geöffnete Schwimmweste.
Die Stadt Hoijer war früher mit dem Meer verbunden und hatte einen Hafen/ Anleger, der unter anderem Sylt versorgte. Inzwischen fließt die Vida durch ein Sperrwerk in die Nordsee. Das Sperrwerk und die Infotafeln zur Historie und der Entwässerung der Marschen waren sehr interessant.
Nach der Fahrt hing unsere Hütte voll Kleidung, die zum Trocknen aufgehangen war.
Am Dienstag wurde der Inrigger von Vikaer wieder zurück nach Hejsagger gerudert. Die Fahrt ging um einiges schneller, als die Hinfahrt, weil wir Schiebewind und wenig Wellen hatten. Nach einem Mittagsimbiss fuhr die Mannschaft (mit Frau) Richtung Aaeroesund, wo das Boot wieder am Strand hochgezogen wurde. Der Sund liegt am Ausgang des Haderslev- Fjords. Dort liegt auch die kleine Insel Aaeroe zu der eine Fähre fährt, die von Tagestouristen viel genutzt wird. Im 700 m breiten Sund war ein Wind von ca. 4bft, der zwei Großseglern eine zügige Fahrt bescherte.
Beeindruckend waren die Lichtverhältnisse vermutlich, wegen der Wetterwechsel. Die Insel Aaeroe glänzte leuchtend hell, während auf dem Meer dunkle Wolken vorbeizogen. Es gab eine erstaunliche Weitsicht. Man hätte dort Stunden verbringen können.
Am Mittwoch fuhren wir mit dem „Roter Oktober“ die Küste Richtung Norden, wir hatten wieder einmal guten Wind und Wellen. Immer wieder kamen Schauer herunter und bei der Mittagsrast in Hejlsminde gab es glücklicherweise im Hafenbereich einen warmen Raum in dem man sich aufwärmen und vor dem Wind schützen konnte. Nach einem Crewwechsel fuhren wir wieder zurück zum Aaeroesund. Ausgerechnet beim Queren der Mündung des Haderslev Fjords fuhren wir in prasselnden Starkregen. Zumindest war unser Ziel in Sichtweite, aber das dauerte noch eine Stunde.
Für den Donnerstag war wieder starker Regen angesagt, weswegen wir uns entschlossen das Boot vollregnen zu lassen und uns per Auto der Kultur zu widmen. Wir besichtigten das Museum der Dybbel – Schanze. Dort fand 1863 der Krieg zwischen Dänemark und Preußen/ Österreich statt. Durch den Sieg der preußisch-österreichischen Allianz kamen Schleswig und Holstein in das Gebiet des Deutschen Bundes. In Sonderburg schauten wir uns die nette Innenstadt an und besuchten ein weiteres Museum.
Am Freitag wurde das Inriggerboot vom Aaereo-sund wieder zurück nach Hejsagger gerudert. Natürlich gab es wieder Regen, aber wir genossen trotzdem die Landschaft mit einer Steilküste an der man die Spuren des Meeres bei Hochwasser erkennen konnte.
In Hejsagger angekommen wurde das Boot gründlich gereinigt und wieder in seinen Schuppen gestellt.
In der Stadt Hadersleben (dän. Haderslev) fließt in die eine Richtung der Fjord, an der westlichen Seite liegt ein Binnensee, der Dam. Der See ist recht groß und prägt das Stadtbild. Zunächst drehten wir eine Runde auf dem Schlossweiher und dem Mühlengang. Danach ging es 6 km bis ans Ende des Dam´s und wieder zurück. Bei der Rückfahrt versuchten wir erfolglos drohenden Regenwolken zu entkommen und erhielten danach im Deutschen Ruderverein Hadersleben, wärmende, gute Pasta von unserem Fahrtenleiter.
Der nächste Tag war eine langwierige Rückfahrt zurück nach Köln.
(mik)